Oh! You met the imposter – my evil twin!

von romantischverklaert

Vor kurzem hat die Verlegerin, Herausgeberin und Autorin Christiane Frohmann anlässlich des Todestages von David Foster Wallace einen Text  verfasst, dessen Titel Bros, Bookishness & Bandana ja eigentlich schon deutlicht macht, dass weniger Literaturkritik geübt, als vielmehr eine bestimmte Rezeptionskultur zu DFW und dessen Oeuvre problematisiert wird, die nicht frei ist von einer gewissen Ignoranz gegenüber Literatur, die nicht weiß und cis männlich ist, sowie einer ermüdenden Dünkelhaftigkeit. Um aber keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, konkretisiert Frohmann ihren Hader sogar noch einmal wie folgt:

Meine Abneigung gilt einer bestimmten Rezeption seiner persona, in der Autor, Mensch, Werk, Bedeutung diffus ineinanderfließen. Über diese merkwürdige Rezeption, die mehr mit Image und Style als mit Literatur zu tun hat, gibt es eigene Texte und sogar Cartoons, es geht darum, dass bestimmte junge, irgendwann nicht mehr so junge Männer sich über ihre David-Foster-Wallace-Begeisterung so stark stilisieren, dass sie ihre Umwelt, insbesondere Frauen, damit nerven.

Auch die Teilüberschriften, die da unter anderem „Bro“, „Bro Generation“, „Bandanaisierung“, „Umsehen lernen“, „Team Murakami-Mädchen“ und „The End of Bromance“ lauten, akzentuieren noch einmal den Textgegenstand; der eben mitnichten eine Zitat Paul Brodowsky Generalabrechnung mit David Foster Wallace Zitatende darstellt, sondern mit jenen Bros, die um ihre Begeisterung über denselben einen intellektuellen Kult veranstalten, der einer Diversifizierung des Literaturkanons im Wege steht. Es ist so gesehen daher mehr als erstaunlich, wie verquer Brodowsky Frohmanns Text, der sachlich gewisse Diskurs-, Distinktions- und Rezeptionsphänomene problematisiert, statt mit einer Person abrechnet, liest, wenn er eine Literaturkritik moniert, die so nie stattgefunden hat.

Aber anders als bei Coyle, die sich mit Wallace differenziert auseinandersetzt und deren Einschätzungen ich nachvollziehen kann (wenngleich ich sie nicht alle unterschreiben würde), gibt es bei Frohmann eigentlich keine Argumente gegen die Texte von Wallace außer dem einen, den Autor von dem Rezeptions- und Distinktionsverhalten seiner dümmsten Leser her zu bewerten.

Nun, wahrscheinlich gibt es bei Frohmann keine konkreten Argumente gegen DFW, weil es ihr weder um die Person noch um das Werk noch um Literaturkritik geht. Doch genau das ist es, was Brodowsky offenbar nicht versteht. Und so adressiert er an die Autorin schließlich irrige Unterstellungen, die auf falschem Textverständnis fußen und daher nich mehr und nicht weniger sein können als unfair. Brodowsky scheint allerdings nicht nur bezogen auf den Textgegenstand einem Missverständnis zu unterliegen, sondern auch grundsätzlich Schwierigkeiten zu haben, Frohmanns Worte dergestalt zu verstehen, wie es die Semantik hergibt. Wenn er behauptet:

Das anderthalbte, mit dem ersten verwandte Argument, Wallaces Sätze seien zu kompliziert, weil sie Leser und Leserinnen außen vor halten, finde ich eigentlich noch ärgerlicher.

,obwohl die Autorin im Radiointerview tatsächlich bloß sagt

[…], der Einstieg ist ein sehr intellektueller. Es ist einfach so, dass er auf einem sprachlichen Niveau, in einer Kompliziertheit der Syntax und auch der Worte letztlich schreibt, die einfach die meisten Menschen auf diesem Planeten ausschließt, und insofern geht es sicher nicht um Emotionen.

haben wir es nicht mit einem frohmannschen Plädoyer zu tun für Texte, die alles tun sollen, bloß die Leserin nicht herausfordern, sondern lediglich mit einem schlechten Textverständnis desjenigen, der ihr das — dreisterweise, wie ich finde — vorwirft.

Ich glaube an Literatur als Herausforderung, nicht an Texte, die uns seicht beschallen.

Na gut, Bro, dass du dem Girl mangels Lesekompetenz selbiges nicht nur implizit absprichst, sondern auch noch mal klar stellst, welch hehres Literaturverständnis dir zu eigen ist.

Beinahe ist es ja schon wieder komisch, wie examplarisch Brodowskis Reaktion für das steht, was Frohmann im Text tatsächlich beschreibt. Aber leider nur beinahe.

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