Junimond

von romantischverklaert

Nach monatelangem Abwägen habe ich mich zu der Entscheidung durchgerungen, ein Kapitel meines Lebens abzuschließen und Literatur nur noch als Konsumentin, nicht aber mehr als Produzentin zu erfahren. Das Schreiben und alles, was mit ihm in Verbindung steht, kostet mich mehr, als ich von ihm profitiere. Und jetzt bin ich an einem Punkt, an dem ich merke: Es geht nicht mehr, weder psychisch noch physisch. Ich werde nicht jünger. Ich bin gerade dabei, mein Leben endlich in geordnete Bahnen zu bringen. Der ganze Schreibcrap stresst mich mittlerweile jedoch so sehr, dass dieses Unterfangen ernsthaft bedroht ist.
Schlaflosigkeit, Niedergeschlagnheit, allgemeines Unwohlsein, Benommenheit, Derealisation, Depersonalisation… die Liste geht noch so weiter.
Ich packe das nicht mehr, und offen gestanden bin ich auch nicht mehr bereit, das zu schultern. Ich muss mich entlasten.
Ganz abgesehen davon, merke ich auch: Ich bin leer. Ich habe mich bis zum letzten Tropfen ausgewrungen. Das heißt: Es gibt nichts mehr, das ich zu erzählen hätte. Alles, was ich wirklich zu sagen hatte, habe ich in Der Großen Glocke ausgesprochen. Und das ist gut. Ich habe die Möglichkeit genutzt, mich mitzuteilen.
Ich bereue nicht, zehn Jahre meines Lebens damit verbracht zu haben: Nicht nur weil ich als ehemalige Diktatversagerin nahezu fehlerfreies Formulieren gelernt habe, sondern auch, weil ich etwas entdeckt habe, womit ich nicht gerechnet habe: meine Liebe zur Sprache. Es war also keineswegs vergebens.
Danke an alle, die meine Texte gelesen, sie kommentiert, angehört und die unermüdliche Konfrontation mit meinen Selbstzweifeln ertragen haben. Es wird künftig alles etwas leichter werden. Nicht nur für mich. Ihr könnt daher aufhören, mich Sofie Lichtenstein zu nennen.

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