Ich weiß zwar nicht, was phallokratisch bedeutet, aber ich habe doch ausdrücklich gesagt ‚Keine Mädchen‘!

von romantischverklaert

Womit ich seit jeher hadere: Die Ablehnung gegenüber dem Aussprechen wilder Emotionen. Man wähnt sich heutzutage tolerant und aufgekärt, propagiert feierlich, sei authentisch und sei lebendig! Aber wehe dem,  der menschlisch genug ist, einer heftigen Gefühlswallung anheim zu fallen! Das geht natürlich nicht, so hat man nicht gewettet. Schließlich ist das Unkontrollierte unangenehm und so überhaupt nicht erhaben. In der Gesellschaft ist diese Haltung nichts Neues. Auch in der Literatur nicht. Werke, die heftige Emotionen und Affekte beschreiben und transportieren, werden gerne mal ganz schnell als „sentimental“ und „verkitscht“ verunglimpft und mithin abgewertet. Gefühle, die unkontrolliert artikuliert werden, haben alltenhalben einen schweren Stand. Es gilt, sei es in der Gesellschaft oder in der Literatur, die es sich u.a. zur Aufgabe gemacht hat, an der Welt Kritik zu üben: Beherrschung. Denn: wer sich zu Extremen hinreißen lässt, hört auf, über den Dingen zu stehen. Wie allerdings lässt sich die Ablehnung gegenüber dem Gefühlsbetonten mit dem Anspruch der Wahrhaftigkeit vereinbaren? Das Leben ist nun mal nicht immer ruhig, gemessen und geradlinig, sondern wild und leidenschaftlich. Wer war nicht einmal wie der Werther Hals über Kopf in einen Menschen oder sogar in die Welt verliebt? Wer hatte nicht schonmal emolesk gefühlt? Wer war nicht einmal wie Emil Sinclair aus Hesses ‚Demian“ auf nem, wie ich es einmal salopp formulierte, spontanen Selbstfindungstrip? Wer hat nicht schonmal einen Wutausbruch (der übelsten Sorte) gehabt? In Menschen schlägt ein Herz, sie sind pulsierende Masse, lebendig. Und was lebendig ist, ist eben nicht immer beherrscht. Wer die wilden Emotionen verneint und mithin für deren Unterdrückung plädiert, spricht sich gegen Wahrhaftigkeit und gegen das Erreichen von Tiefen aus.

Notiz für mich: Ich hatte ursprünglich tatsächlich „gegenüber das Aussprechen…“ stehen. Eben grad erst dieser riesen Fauxpas aufgefallen. Hatte zuvor eine andere Formulierung stehen und offenbar irgendwie das „das“ übersehen… neuronale Ausfälle, olé!

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