9 einfache Worte: Ich bin nicht lesbisch, aber ich lerne es noch.

von romantischverklaert

Ich glaube, ich kann jetzt (besser) verbalisieren, was die junge deutschsprachige Gegenwartsliteratur für mich so belanglos und ermüdend macht: Der Coming-of-Age-Boom. Egal, welcher junger Autor/welche junge Autorin gerade sein/ihr erstes Buch veröffentlicht; immer ist es eine Coming-of-Age-Story. Jungendliche, junge Erwachsene oder Mittzwangziger auf einem profanen Selbstfindungstrip. Und immer wieder stelle ich fest, die Inhaltsangaben unterscheiden sich im Kern nur unwesentlich voneinander. Frage: haben die Autoren*innen ihre Jugend noch nicht verdaut? Oder besteht da etwa die allgemeine Annahme, dass die immergleichen Dinge, die die Jugend bewegt, so interessant und wichtig wären, dass jede*r Debütant*in zwischen 20-40 sie wiederkäuen müsste? Hin und wieder mal ne Coming-of-Age-Story, okay, kein Ding, vielleicht sogar ganz nett. Allerdings scheint nahezu jeder Erstlingsroman von jungen Schriftsteller*innen von (post)pubertären Wehwehchen, Träumerein, Wünschen, Fragen, Entdeckungen usw. zu handeln. Hat junge Literatur im deutschsprachigen Sektor tatsächlich nicht mehr zu bieten? Klar, Coming-of-Age ist kein neues Genre. Gab’s schon immer; nur lief es seinerzeit unter dem Label ‚Bildungsroman‘; indes – den Eindruck werde ich einfach nicht los – waren die Werke nicht so erschreckend beliebig. Welches Coming-of-Age-Buch hat heutzutage noch Potenzial zur Nachhaltigkeit, Potenzial, nicht in den nächsten 2 Jahren wieder restlos vergessen zu werden? Ein Bildungsroman lässt sich einfach schreiben, aber nicht ohne Weiteres gut. Dazu bedarf es Lebenserfahrung – die nicht vom Alter abhängt, sondern vom Reflexionsvermögen in Hinblick aufs Erlebte -, eine feine Beobachtungsgabe, die Fähigkeit zur sprachlichen Transformation, Figuren, die man ob ihres Profils nicht einfach wieder vergisst, ein ganz klares Thema und zentrale Motive und – vor allem – eine Geschichte, die nicht austauschbar ist. Beliebigkeit, das Problem der jungen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur hat einen Namen.

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