Hygiene wird bei mir kleingeschrieben

von romantischverklaert

Ich dachte heute an folgendes: Man zieht in sein Leben, was man aussendet. Hab dem vorher vorbehaltlos, um nicht zu sagen unkritisch beigepflichtet, ja, klar, genauso und nicht anders ist es. Etwas allerdings ist daran unstimmig. Die Aussage bürdet einem sämtliche Verantwortung – manche mögen es sogar als Schuld begreifen – auf. Wenn ich indes mit guter Laune und einem scheißfreundlichen Lächeln in eine Arztpraxis gehe und mit Augenrollen und Stöhnen anlässlich einer banalen Frage konfrontiert werde, kann mir kein Mensch erzählen, meine Ausstrahlung sei für diese biestige Reaktion verantwortlich. Oder andersrum: War es etwa die überaus positive Ausstrahlung der Frau, die übrigens grundsätzlich den Eindruck erweckt, jeden Tag, den sie arbeiten muss, kotzen zu wollen, also war es deren uneingeschränkt lebensbejahende Ausstrahlung, die einen Menschen wie mich, der gut gelaunt und freundlich gesinnt war, angezogen bzw. meine Freundlichkeit bewirkt hat? Hm? Schon an dieser Stelle stößt diese Weisheit für mich an ihre Grenzen. Allerdings stellt sich ein weiteres Logik-Problem. Wer fängt eigentlich an, mit seiner Austrahlung Reaktion XY bei seinem Gegenüber zu generieren? Warum soll ich bzw. meine Signale grundsätzlich für das, was in meine Richtung zurückschwingt, verantwortlich sein? Wenn alles von einem selbst ausgeht, wo bleiben dann die anderen? Wenn es ein Ich gibt, muss ein Du gleichermaßen existent sein. Zieht man grundsätzlich an oder wird man bisweilen nicht einfach auch nur angezogen?

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