Robbenbabies totknüppeln gegen Rechts

von romantischverklaert

Hm, isses wieder soweit. Das Jahr ist an mir völlig vorbei gegangen. Und das war jetzt also ein ganzes Jahr? Das Jahr 2013? Es war kein scheiß Jahr, aber dafür jämmerlich erfolglos. Also doch irgendwie dezent scheiße. Egal. Wie einigen womöglich aufgefallen ist, mache ich mich blogtechnisch rar. Eigentlich schade, denk ich, es war doch bisher immer ganz nett, allmonatlich über irgendetwas oberflächlich zu sinnieren. Die Sache ist: ich habe immer weniger Zeit. Viel zu tun. Ich ergänze: Nicht viel mehr zu tun als andere, aber immerhin soviel, dass ich lustlos werde und nur in wesentlichen Belangen eine gewisse Kontinuität erhalten kann. Z.B. mein Buch… Allerdings ist auch das stets der Gefahr ausgesetzt, Vernachlässigung zu erfahren. Darf natürlich nicht sein, und bisher habe ich mich dann doch immer noch irgendwie disziplinieren können. Meine Fresse, das dauert aber auch lang. Nicht nur das Buch. Alles. Und deshalb fühlt es sich auch so quälend an, etwas durchzuziehen. Weil so oft kein Ende in Sicht ist. Es ist alles nicht unmittelbar, immer erst in ein paar Jahren. Genug Zeit, im Bammel zu kriegen. Klappt das denn alles auch. Lohnt sich die ganze Mühe. Wird man’s tatsächlich schaffen. Ach… wem sag ich das. Kennen doch die Schöngeistigen unter uns alle. Und das macht’s schon wieder unheimlich langweilig.

Manch einer von euch dürfte sich vllt. noch daran erinnern, dass ich im letzten Jahr beklagt habe, zu wenig gelesen zu haben. Ich nahm mir vor, von wegen Vorsatz fürs neue Jahr, 2013 wieder einen Zahn zuzulegen, dem Lesen wieder mehr hinterher zu sein. Ist so gar nischt draus geworden. Ich hab’s in diesem Jahr nicht einmal geschafft, zehn Bücher zu lesen. Ich nehm’s dieses Jahr indes nicht so tragisch, weil ich dafür ein sehr prägendes, wichtiges sowie quälendes Buch gelesen habe. Ihr ahnt’s vielleicht? Unendlicher Spaß von David Foster Wallace. Hätte mir nicht zugetraut, es durchzulesen. Mehr dazu aber weiter unten. Auch so sehe ich keinen Grund, mich irre zu machen oder zu schelten. Ich habe genug Input bekommen, genug mitgenommen. Und außerdem viel zu tun. Das ist eigentlich okay. Und es hat ja auch einen Vorteil. Jetzt muss ich nämlich keine Mega-Rezi runtersülzen. Auch sehr entspannt. Fangen wir an, hab nicht viel zu sagen.

David Foster WallaceUnendlicher Spaß

Kein Buch hat mich jemals so wütend gemacht. Kein Buch hat mich jemals so geschafft. Ich wollte das Buch durch die Gegend pfeffern, verbrennen, so wütend war ich. Das Einerseits. Andererseits hat mich kein Buch so stark beeinflusst, mir soviel beigebracht über sprachliche und erzählerische Freiheiten. Deshalb war es unglaublich wichtig für mich. Ich habe mein Lesejahr mit Unendlicher Spaß begonnen, allerdings ein gutes halbes Jahr gebraucht, um es durchzulesen. Wenn ich auf der Arbeit nicht die Möglichkeit gehabt hätte, viele Stunden zu lesen, hätte ich nach 300 Seiten sicher kapituliert. Privat wollte ich keine Zeit darin investieren. Ja, ich hatte meinen Spaß, allerdings war der eher ziemlich überschaubar als unendlich. Eins muss ich ja sagen: Das Buch hatte seine Momente. Sehr große Momente. Sternstunden. Solche, die mich vor allem im humoristischen Sinne unheimlich mitgerissen haben. Es gibt da eine kurze, ausgesprochen großartige Passage, so gegen Ende des Buches, wo die Handlung eines Trash-Filmes auseinandergsetzt wird. Filmtitel: Blutschwestern – Eine taffe Nonne. Eine herrlich bescheuerte Läuterungstory über Kung-Fu kämpfende Nonnen. Das war mein persönliches Highlight. Darüber hinaus kenne ich bisher keinen Schriftsteller, der er es besser versteht, Menschen, Handlungen, Situationen, Alltägliches, Bewegungen, optische Erscheinungen etc. etc. treffend zu beschreiben, als David Foster Wallace. Das hat mir schwer imponiert. Auf der anderen Seite erlaube ich mir, zu sagen – auch auf die Gefahr hin, zu verkennen -, dass ich Foster Wallace für überbewertet halte. Fremdwortgespickte Endlosschleifensätze haben bei mir noch nie Eindruck gemacht. Mir ist Sinn und Zweck dieser Ausdrucksweise nicht so recht klar geworden. Es erschien mir eher unnötig kompliziert als sinnstiftend. Mir ging es über weite Strecken so, dass ich mich immer wieder fragte, Was habe ich da jetzt gelesen? Ich wusste es nicht. Nicht, weil ich es nicht verstanden hätte. Sondern weil es so vollkommen belanglos war. Das Lesen dieses Buches war eine Mühsal, nervig und frustrierend. Allerdings hat mich keines derart bereichert.

Virginia WoolfMrs. Dalloway

Eigentlich habe ich dieses Buch ja als erstes durchgelesen – also in diesem Jahr -, allerdings zu einem späteren Zeitpunkt begonnen. Wenn ich jetzt nicht bei Facebook nachgeschaut hätte – ich gebe da ja immer ein, zwei Statement zu den von mir gelesenen Büchern ab -, wüsste ich jetzt nichts darüber zu äußern. Copy und paste ist angesagt: Da kann man sich als Autor/in noch richtig was abgucken, wenn’s darum geht, das Seelenleben eines Menschen abzubilden. Durchaus feines literarisches Handwerk. Oute mich trotzdem, mich hat’s nicht gepackt.

Jean-Marie Gustave Le ClézioFliehender Stern

Meine Mitbewohnerin hatte dieses Buch irgendwann aus ihrem Zimmer hervorgeholt und mir vermacht. Nachdem ich eine weiß ich wie lange Lesepause bei Unendlicher Spaß eingelegt hatte, dachte ich, ich nehm’s mal zur Hand, ehe es versauert. Für mich sind bedeutungslose Bücher u.a. solche, die gelesen zu haben ich beinahe vergessen habe. Fliehender Stern ist so ein Exemplar. Eine sogenannte poetische Spruche suchte ich vergeblich. Stattdessen ödeten mich die immer gleichklingenden, statischen sowie blutarmen Naturbeschreibungen an, die sich durch’s ganze Geschehen zogen. Das Beste an dem Buch ist für mich der schöne Name des Schriftstellers.

Siegfried LenzArnes Nachlaß

Wenn die Titelfigur Arne heißt, verheißt das bereits nichts Gutes. Zu meiner Verteidigung: Ich hab’s nicht freiwillig gelesen. Eine Mobbing-Geschichte mit voll tragischem Ende. Schon allein den Schauplatz finde ich – angesichts des angepeilten Publikums – unglücklich gewählt…. es wirkte außerdem alles so furchtbar unzeitgemäß. Ginge ich jetzt darin über, mich über den schrecklich steifen, anämischen und keuschen Erzählstil zu ereifern, sowie über den Mangel an Authentizität, würde es ausufern. Belasse ich’s deshalb dabei, dass ich diese nach Emotionen eifernde Coming-of-Age-Tragödie fast albern finde und über die Unfähigkeit des Autors erstaunt bin, die Leserschaft mit seinem gemobbten und verwaisten Protagonisten zu rühren.

Friedrich DürrenmattDie Physiker

Das las sich zunächst alles so vielversprechend, will heißen, es gab zu Anfang einige  Lacher. Hübsche Satire! glaubte ich zunächst. Allerdings wurd’s dann unvermittelt ernst und das fand ich scheiße, auch wenn der Plot und die Frage, die er aufwirft, einigermaßen clever sind. Hilft trotzdem alles nix, wenn man lediglich Lust auf ein wenig Groteske hat, die bar jeder Katastrophe ist.

Michael EndeMomo

Ja, ich bin reichlich spät dran, macht aber trotzdem nichts, weil gerade ein Erwachsener sich mit geraubter Zeit bestens auskennen dürfte. Eine zeitlose Geschichte über die Zeit und darüber, wie destruktiv, ja seelenmordend es ist, wenn wir uns keine nehmen.

Judith ZanderDinge, die wir heute sagten

Das war eine schöne, zufallsträchtige Entwicklung. Die werte Autorin und ich begegneten uns in einem Club und kamen ins Gespräch. Cool, du schreibst auch? Was denn? Haste schon veröffentlicht? Echt? Wo denn? What? DTV? Darf ich erfahren, wie du heißt. Okay, Judith Zander, sagt mir nichts, trotzdem geile Sache. Freundlicherweise gab mir Judith später ein Exemplar ihres Buches – mit Signatur freilich, über die ich mich diebisch freute. Es ist schwierig, jemanden zu beurteilen, den man kennt. Glücklicherweise erleichtert mir Judith diese Aufgabe, und das nicht nur, weil sie eine auffallend angenehme Person ist, sondern schriftstellerisch ordentlich was in petto hat. Allenthalben ist die Sprachverliebtheit dieser Frau zu erkennen, sowie ihre genaue Beobachtungsgabe. Was ich vor allem hinreißend fand, ist, dass jede der zahlreichen Figuren eine eigene komplexe Geschichte hat, die glaubwürdig beim Leser ankommt. Als Autor kann man ein derartiges Einfallsreichtum durchaus bewundern. Mir gefallen selbst – oder insbesondere – diejenigen Passagen, die das Werk eigentlich nicht gebraucht hätte; die da sind, weil es schlicht ums Vergnügen ging und nicht darum, irgendetwas in seiner Bedeutung künstlich zu erhöhen. Ja, das mag ich. Mein einziges, wie soll ich sagen? „Problem“ an dem Buch ist, dass sich mir – auch wenn ich meine Freude hatte, es zu lesen – ständig die Frage aufgedrängt hat, warum diese Geschichte erzählt wurde. Warum musste sie erzählt werden? Was nehme ich mit? Es erscheint mir ergebnislos bzw. fehlt mir ein Ergebnis. Womöglich geht es aber nur mir so. Alles in allem kann ich das Buch ruhigen Gewissens weiterempfehlen. Ein Lichtblick meines Lesejahrs.

Thomas BernhardDer Untergeher

Mein letztes Buch in diesem Jahr. Ja, tatsächlich, ich habe nicht mehr als acht gelesen 2013. Auf Thomas Bernhard habe ich mich ja ein wenig gefreut; und mir gleichzeitig zuviel versprochen. Vielleicht hätte ich vorher die Goldbergvariationen von Bach hören müssen bzw. die Interpretation von Glenn Gould, um mich besser in die Geschichte bzw. den Frust der Figuren einfühlen zu können. Mich nervten jedenfalls diese verwöhnten, selbstgefälligen Klavierspieler, die sich schrecklich wichtig nehmen, völlig vergeistigt sind aber gar keinen rechten Bezug zum Leben haben. Furchtbar. Ich will dem Bernhard trotzdem eine zweite Chance geben.

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