Entschuldigung, haben Sie zufällig 10 Tonnen Salz? Ich wollte einen Kuchen backen.

von romantischverklaert

Tja, das ist mir ja doch noch was für den August eingefallen – beinahe hätte ich September geschrieben. Was ihr hier oben seht und möglicherweise ein kleines bisschen ans kyrillische Schriftbild erinnert, ist die Deutsche Sütterlinschrift, oder kurz deutsche Schrift – die vergessene Schrift. Soweit ich weiß, wird das in wenigen Schulen noch behandelt. Glücklicherweise allerdings hat meine damalige Klassenlehrerin in der Grundschule viel Zeit darin investiert, uns die Deutsche Schrift etwas näher zu bringen. Mit der Deutschen Schrift verbinde ich viele schöne Erinnerungen und deswegen kommt es auch alle zwei, drei Jahre mal vor, dass ich sentimental werde und mir vornehme, künftig nur noch so zu schreiben. Habe gestern schon wieder damit angefangen und das Alphabet in mein Notizbuch übertragen. Danach versuchte ich, ein paar Sätze und Gedanken zu formulieren, doch bekam ich schnell einen Koller und mittelstarke Aggressionen, woraufhin ich das Unterfangen beim Schreiben eines Satzes abbrach und mit „Fuck!!!… Ich hasse das alles momentan.“ beendete – das natürlich auch in Deutscher Schrift. Wenn man mich fragt, sollte die Deutsche Schrift, die ja fast in Vergessenheit geraten ist, zumindest im Deutschunterricht ein Revival erleben… oder vielleicht doch nicht, weil ich ja dann wieder weniger außergewöhnlich wäre. Der Text da oben ist übrigens von mir. Mein Gedicht, das in der 41. Ausgabe des Dichtungsring veröffentlicht wird. Extra abgeschrieben und eingescannt für den Post. Man sieht, ich gebe mir sehr viel Mühe. Wer’s lesen kann, kriegt von mir eine Einladung zum Essen. Da fiel mir heute Nacht übrigens ein, dass man daraus ein originelles Gesellschaftsspiel machen könnte. Jemand muss einen Text in Deutscher Schrift entziffern und ein anderer hält die „Übersetzung“ in der Hand. Hab’s mehr oder weniger schon mit mir selbst gespielt und es war tatsächlich sehr unterhaltsam. Ich las einen Text über die Entwicklung der badischen Katastervermessung und schwankte zwischen Frust und Inbrunst hin und her. Immerhin war ich, dafür, dass ich gestern erst wieder damit angefangen habe, gar nicht mal so schlecht. Zwar brauchte ich pro Seite etwa zwanzig Minuten, doch meine Fehlerquote lag bei 0. Okay, würde mein damaliges, neunjähriges Ich gegen mein Jetziges antreten, würde das Gegenwarts-Ich gnadenlos abstinken – vor dreizehn Jahren hätte ich den Text mühelos lesen können. Aber na ja, vielleicht kommt das noch. Das schwierige an der deutschen Schrift ist, dass die vielen spitzen Winkel absolut irreführend sind. Ein „e“ sieht fast so aus wie ein „n“, das „v“ ist kaum vom „r“, „o“ und „w“ zu unterscheiden und das „a“ kann auch mal ganz schnell mit dem „o“ verwechselt werden“… nur um mal ein paar Beispiele zu nennen. Leichter ist es natürlich immer, wenn man computergesetzte Texte liest wie z.B. siehe unten

Übersetzt (von mir, ohne Schummeln!): Schriftbeispiel für die deutsche Kurrent.
Was ist Aufklärung? Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Undmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn sie Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapare aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung. Immanuel Kant, 1784.

Soviel dazu.

Ansonsten ist es mir zu meiner Überraschung wieder gelungen, einen Text veröffentlichen zu lassen. Vor einem Monat schickte ich der Schweizer Literaturzeitschrift Entwürfe eine Kurzgeschichte, namentlich Reine Enttäuschung, zum Thema Demo. Es war mein erster politischer Text. Wer hätte gedacht, dass ich einmal meine Seele verkaufen würde, Sofie schreibt Politisches, Himmel! Ich hätte nie im Leben damit gerechnet, dass der Text genommen wird. Das war eher so ein Mach-mit,-dann-kannst-du-dein-Gewissen-angesichts-deiner-Schreibflaute-beruhigen-Ding. Als ich von der Zusage erfuhr, war meine Freude entsprechend groß. Scheen. Erst der Dichtungsring, jetzt Entwürfe… ich sollte mich öfter mal ransetzen und Zeitschriften was zuschicken. Doch so schön diese kleinen Egopolituren auch sind, wäre es mir lieber, wenn es mit meinem Buch endlich mal vorwärts ginge. Früher als gedacht bin ich jetzt an dem Punkt, wo eine Reise zu den Drei Zinnen unumgänglich ist, wenn ich den Anspruch habe, etwas Gutes zu produzieren. Eigentlich sollte es bereits Ende August losgehen, allerdings werde ich von den Behörden auf- und hingehalten – muss das nicht näher präzisieren. Solange das nicht durch ist, kann ich gar nichts planen, buchen, in Angriff nehmen. Im September will ich die Reise eigentlich abgeschlossen haben. Mal schauen. Alles umständlich, wenn man kein Auto hat, Zugverbindungen nach italienischen Kaffs suchen muss und alles irgendwie auch von anderen abhängig ist. Wer mich übrigens begleiten möchte, kann mich gerne anschreiben.

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