Heute ist es zu spät. Aber morgen wird sich eine gewaltige Sonne am Horizont zeigen!

von romantischverklaert

Ich gräme mich ja so, im Februar nichts gepostet zu haben. Seit Gründung meines Blogs habe ich jeden Monat mindestens einen Artikel veröffentlicht. Und jetzt gibt es da diese Lücke. Die Serie hat einen Riss. Es kommt mir vor wie eine unfertige Brücke oder wie neu anfangen. Vielleicht hat ein Neuanfang auch sein Gutes, who knows. Wenn’s aber nun doch kein Neuanfang ist? Jedenfalls schmeckt mir diese Lücke so gar nicht und nachtragen kann man ja leider auch nichts. Meine Neuruose schlägt Alarm, aber genug davon.

Heute möchte ich euch einen Anime vorstellen, der in puncto Witz und Charme bisher unübertroffen ist. Die Rede ist von Golden Boy! Golden Boy lief damals, wie einige sich vllt. erinnern, auf MTV – als der Sender noch einigermaßen gut war- im Spätabendprogramm. Eigentlich habe ich Lumpfi mehr oder weniger befohlen, etwas über die Serie zu schreiben; doch wie das immer so schön bei ihm ist, wollte er zunächst alles recherchieren und bedenken (da kommt mir unvermittelt ein Zitat aus Nathan der Weise in den Sinn: Wer überlegt, der sucht Beweggründe, nicht zu dürfen). Solange kann und will ich nicht warten – darüber hinaus ist es ein gutes Thema (meine Ansichten zum Tierschutz möchte ich lieber später ausführlich auseinandersetzen). Aber fangen wir endlich an. Golden Boy ist (leider, leider) eine sehr kleine, aus sechs Episoden bestehende Animeserie, die dem gleichnamigen Manga zugrunde liegt. Sie handelt vom 25-jährigen Kintaro Oe, der nach seinem Jurastudium durch Japan radelt, um von der sogennanten „Schule des Lebens“ zu lernen. Er weiß, was er nicht will; was er jedoch will, versucht er herauszufinden, indem er sich in allerlei Berufen ausprobiert. Unterdessen allerdings hat es Kintaro, sei als Mädchen für alles, Wahlhelfer, Aushilfskoch oder Schwimmlehrer, nie leicht: erliegt er doch stets der Schönheit einer zunächst unerreichbaren Frau, die er zur Weißglut treibt. Doch da Golden Boy ein modernes Erwachsenenmärchen ist, wird am Ende natürlich alles gut. So stellt jede Frau zum Schluss, und leider zu spät, hingerissen fest, dass Kintaro kein Winderling ist, sondern ausgesprochen tugendhaft und klug.

Kintaro ist der womöglich sympathischste Antiheld des Anime-Orbits. Auf der einen Seite ist er ein dauergeiler Lüstling, der sogar auf jedwede Bezahlung verzichtet, nur um die attraktive Chefin sowie deren körperliche Attribute aus der Ferne anhimmeln zu können; auf der anderen ein herzensguter Mensch, der sich als ausgesprochen hilfsbereit, selbstlos und herrlich devot erweist. Stets nimmt er den Damen gegenüber eine ehrerbietige Haltung ein; bekundet unter anderem, glücklich zu sein, wenn sie ihn bespucken oder – ich zitierte – auf ihn herumtrampeln wie auf einen alten Fußabtreter. Indes kommt ihn nie in den Sinn, obwohl er sich permanent in sexuellen Fantasien ergeht, einen ernsthaften Annäherungversuch anzuleiern. Weder flirtet er noch provoziert er Körperkontakt noch konfrontiert er die Frauen mit seinen Gefühlen. Stattdessen verhält er sich stets höflich, unterwürfig und pflichtbewusst – wenn er gerade mal keine schlechte Figur macht.

Zugegeben: die Serie ist eingermaßen sexistisch. Und dennoch kann man nicht an sich halten, laut loszulachen angesichts der theatralischen Einlagen Kintaros. Letzten Endes ist nämlich nicht die leichtbekleidete Frau mit den riesigen Brüsten, sondern Kintaros ausgeprägter Hang zum Pathos das schillernde Schmuckstück der Serie – beispielsweise wenn er eine dramatische Kampfansage macht und seine Grimassen ins – Zitat- abstoßend Realistische umschlagen. Ich kann diese Serie nur wärmstens empfehlen und bin auch schon dabei, sie jedem aufzudrücken. Es lohnt sich wirklich, garantiert.

Meines Erachtens stellt übrigens die erste Episode alle weiteren in den Schatten.

Golden Boy kann man sich komplett auf Youtube ansehen.

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