Pass‘ auf, sonst frisst sich dein Gehirn noch selbst auf

von romantischverklaert

Als ich mich im Februar an der UdK für Bildende Kunst bewarb, kam nie etwas zurück. Deswegen war ich bei meiner Bewerbung bezüglich des Szenischen Schreibens ziemlich paranoid. Sogar mit meinem Einschreiben fühlte mich nicht sicher. Gott sei Dank lag heute jedoch Post im Briefkasten – was bei mir übrigens nicht oft vorkommt. Sobald ich die ersten drei Aufgaben überflogen hatte, musste ich den Zettel erst einmal weglegen… es war zuviel für mich. Es ist eine Sache, dass Schreiben zu lieben. Wenn man sich allerdings für einen dramatischen Studiengang bewirbt und so gar keine Ahnung vom Theater hat, ist das schon einmal sehr schlecht. Dabei erquicke ich mich gerade ungemein daran, szenisch zu schreiben, es geht mir viel leichter von der Hand als Prosa. Trotzdem, die Hausaufgaben haben es in sich: ihrer gibt es vier obgligatorische und eine fakultative. Und weil ich mir im Zuge meiner Lette-Bewerbung auch die Mühe gemacht habe, die Aufgabenstellungen in meinem Blog darzulegen, werde ich’s mit der UdK selbstverständlich genauso halten – vielleicht bringt das ja Glück. Nun dann!

1. Ein szenischer Text von ca. 10 Seiten, kein Monolog!

Wünschenswert ist ein Ausschnitt aus einem fertigen Drama. In dem Fall kann auch das ganze Stück eingesandt werden; der Bewerber/die Bewerberin muss dann die (zusammenhängenden) ca. 10 Seiten markieren, die als Bewerbungstext gelten (siehe auch Pkt. 5). Liegt kein ganzes Stück vor, so ist ein Exposé oder eine Skizze des gesamten Stückes beizulegen, das den Kontext bzw. Fortgang verdeutlicht.

Dazu mehr ab Pkt. 5.

2. Eine Szene nach inhaltlicher Vorgabe (höchstens 7 Seiten mit mindestens drei auftretenden Personen). Dabei stehen drei Schreibaufgaben zum Thema ABSCHIED zur Wahl:

a) Jemand hält eine Begräbnisrede auf Sie bzw. eine Ihnen ähnliche Figur und gerät mit anderen Figuren – Freunden, Feinden, Bekannten – in Streit darüber, wer Sie wirklich waren…

b.) Schreiben Sie zwei Trennungsszenarien bzw. mögliche Abschiedssituationen ein und desselben Paares aus jeweils entgegen gesetzten Blickwinkeln oder unterschiedlichen Vorzeichen. Die Situation sollte jeweils durch eine dritte Figur gestört werden.

c.) Lassen Sie lügen! Eine kleine Gruppe von Figuren, Freunde, Kollegen, Paare befinden sich in einer Situation des Niemehrwiedersehens, gaukeln sich jedoch eine gemeinsame Zukunft vor. Bauen Sie eine überraschende Wendung ein!

Wenn ich doch bloß Aufgabenstellung b verstünde. Aber a und c haben durchaus Potenzial. Könnte in die komödiantische Schiene landen.

3. Eine weitere Szene (höchstens 5 Seiten mit mindestens zwei Figuren)

Lassen Sie sich bitte zu einer Szene/Spielsituation bzw. einem Dialog anregen durch die Schlagzeile: „Lungenpatient versehentlich in Filmklinik eingewiesen! – Nach ihrem Verkauf an eine Filmproduktion für Arztserien erhält die Lungenklnik Heckershorn eine unerwartete Einweisung.“

Hä? Kann man darüber etwas Anderes schreiben als totalen Schmarrn?

4. Auseinandersetzung mit einem vorgegebenen Stück (mindestens 2, höchstens 3 Seiten)

Nehmen Sie Stellung zu dem Stück „Unschuld“ von Dea Loher (Buchveröffentlichung im Verlag der Autoren). Beschreiben Sie kurz das dramatische Erzählmodell und bewerten Sie es aus Ihrer persönlichen Sicht als Autor/Autorin. Dabei geht es der Zulassungskommission nicht um die Bestätigung der Meinungen und der Werturteile von Kommissionsmitgliedern, sondern um Ihre Auffassung von Szenischem Schreiben. (Etwaige Sekundärliteratur oder andere Hilfsmittel müssen angegeben werden.)

Das traf/trifft mich mitunter am härtesten. Nicht nur, dass ich in weniger als einem Monat dieses Stück gelesen haben muss und von dramatischen Erzählmodellen soviel Ahnung habe wie eine Kuh von Schach… man kriegt es nirgendwo! Weder kann man es bestellen, noch irgendwo lesen. Ich habe vorhin den Verlag der Autoren angeschrieben und meine Situation dargelegt. Ich kann nur beten, dass sie sich meiner erbarmen und mir das Manuskript zur Verfügung stellen werden. Bitte, lieber Gott!

5. Fakultativ: Ein fertiges Stück. Dieser Punkt ist keine Bedingung. Sie haben jedoch hiermit die Gelegenheit, sich der Zulassungskommission mit einem möglichst „abenfüllenden“ Theatertext ausführlicher vorzustellen.

Okay. Eins muss man ja der Kommission lassen: Ich finde es wahnsinnig entgegenkommend und toll, dass so etwas angesichts des Umfangs angeboten wird. Nun ja, zu blöd, dass ich bisher noch kein einziges Theaterstück verfasst habe.  Hätte ich das mal früher gewusst… umso aberwitziger also mein Vorhaben: Ich will versuchen, innerhalb des Monats ein Drama zu verfassen. Bis zum 30 Nov. – da hab‘ ich übrigens Geburtstag, thöhöhö –  müssen die Arbeiten eingereicht werden. Knapper könnte die Zeit nicht bemessen sein, der Lette-Verein sowie seine Anforderungen sind ein Witz dagegen.

Jetzt habe ich notgedrungen meine Roman-Mammut-Vision, die eigentlich mein Alterswerk werden sollte, zum Gegenstand meines Dramas gemacht. Wenn’s thematisch und logisch wenigstens eingängig wäre… ach scheiße! Wie soll ich das nur schaffen? Ich habe heute Nacht gerade mal zehn Seiten zu Papier gebracht und das auch nur, weil ich eine alte Vorlage reinkopiert und etwas umgeschrieben habe! Aber es muss, es muss, es muss… weil es meine Notwendigkeit ist.

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