Die Sonne kocht auch nur mit Wasser, die soll sich nicht so aufführen, die gelbe Sau

von romantischverklaert

Es ist mal wieder viel geschehen, und ich denke, dass es der Aktualität halber sinnvoll wäre, die wichtigsten Entwicklung zusammenzufassen: In den letzten Monaten lag ja mein Schwerpunkt in meinen Umzugsplänen und der Fotografie bzw. im Lette-Verein. Erinnern wir uns, wie glücklich ich war, als ich die Aufnahmeprüfung bestanden hatte. Warum? Ist bereits bekannt. Jetzt konnte ich endlich ausziehen. Am 15 August, nachdem ich einen Monat Zeit hatte, mich ein wenig zu akklimatisieren, begann die Ausbildung. Alles sehr schön – vor allem die Klasse! -, wenn es da nur nicht einen erheblichen Haken gegeben hätte: die Kosten. Die erste Frage, die mir gar zu gerne gestellt wird, ist: Hast du das nicht vorher gewusst? Dass es teuer würde angesichts der Schulkosten (95 Euro pro Monat) und des Verbrauchsmaterials, war mir freilich klar. Es traf mich aber wie ein Schlag, als ich erfuhr, dass wir im Grunde alle Verbrauchsmaterialien – also nicht nur Film und Fotopapier- sowie eine Laborausrüstung und einen Belichtungsmesser selber finanzieren müssen. Es ist schon ein hartes Brot, wenn man binnen kurzem, d.h. innerhalb weniger Wochen, alles beschaffen soll: Filme (Kleinbild bzw Mittelformat geht ja noch, bei den Planfilmen wird’s allerdings schon sehr heftig: ca. 70 Euro), Filmkassetten, Pergaminhüllen, Positiv-und Negativentwickler, Essigsäuere (eigentlich müssen die Lette-Schüler, vom Fixierer abgesehen, sämtliche Chemikalien selbst kaufen), Entwicklungsdosen, Kanister, Klammern, Belichtungsmesser usw. usf… Sobald ich die ersten Chemikalien und Filme besorgt hatte, war ich auch schon pleite. Was tun?! Es gab nur noch die Hoffnung, dass mir ein angemessener Bafög-Satz zugesprochen würde. Den Bescheid bekam ich am 31 August: 115 Euro. Schöne Scheiße, ja, herrlich. Das reichte nicht mal für die Miete, damit hätte ich gerade mal meine Nebenkosten bezahlen können. Jetzt stellte sich die Frage: Wie soll es weiter gehen? Es ist kein Geheimnis, Sofie Lichtenstein lebt für die Literatur, hat sich ihr verpflichtet, das Schreiben ist ihre große Leiden-schaft. Und die Fotografie? Die Fotografie ist für sie ein herrlich schönes Hobby. Natürlich hatte ich große Lust, die Schule mit einem Abschluss zu verlassen, doch war es notwendig, die Sache im Verhältnis mit der finanziellen Frage, dem Pensum usw. zu sehen. War es mir wert, für eine Sache, die nicht Liebe und Leiden-schaft ist, alles in Kauf zu nehmen, mich selbst und meine Eltern weiter zu verschulden? Meine Entscheidung resultierte aus rein logischen Schlüssen: Es erschien mir nicht sinnvoll, den Lebensstandard meiner Eltern einer Sache zu opfern, die mich zwar fesselt aber nicht – vorsicht, es wird pathetisch- mein Lebenssinn ist. Oder anders formuliert, kann und durfte es mir das nicht wert sein. Opferbereitschaft sollte, wenn man mich fragt, allein dann keine Grenzen kennen, wenn es um Liebe geht. Fotografie liebe ich nicht, sie faszniert mich „nur“. Darum habe ich die Lette bereits nach sehr kurzer Zeit schweren Herzens verlassen. Am meisten bedauere ich, die großartige Klasse missen zu müssen, ich habe mich seit der Grundschule nicht mehr so wohl in meinem Umfeld gefühlt. Doch bisweilen genügt das nicht… Priöritäten setzen ist manchmal ein sehr schauderhaftes Unterfangen. Was mich übrigens ärgert, ist, dass die Informationen über die Kosten alles andere als hinlänglich waren. Wenn auf der Seite lediglich steht – jetzt übrigens nicht mehr, da meine Mutter den Leiter der Fotodesign-Abteilung gescholten hat (allerdings sind die Angaben immer noch nicht konkret genug) -, dass es ein Schulgeld zu bezahlen gäbe, eine Spiegelreflexkamera samt 35mm und 50mm Objektiv zu Schulbeginn vorausgesetzt werde, Fotopapier und Filme selbst zu bezahlen seien und im zweiten Jahr ein Computer im Wert von 1000-1500 Euro empfohlen werde, ist das einfach völlig unzureichend. Ich finde, dass es die Aufgabe einer renommierten Fotoschule ist, die Kosten möglichst genau aufzuschlüsseln und aufzugliedern, sodass der Anwärter informiert ist und ein Zeifenster zum Sparen besitzt. Es bleibt nur zu hoffen, dass es künftigen Schülern nicht ähnlich ergeht wie mir, das wäre sehr schade. Denn wenngleich sich die Lette m. E. ein wenig die Blöße gegeben hat angesichts der mageren Kostenauskunft, ist sie trotzdem eine erstklassige Schule. Aber einerlei…

Und nun? Sobald ich mich zu dieser Entscheidung durchgerungen hatte, bewarb ich mich sogleich für diverse Nebenjobs. Es musste so schnell wie möglich was her, da meine Eltern finanziell nicht nur gänzlich ausgebrannt sondern in einer richtigen Krise waren. Ich sollte schließlich recht schnell eine Anstellung im Kopierladen bekommen. Es könnte besser sein… wie schauen meine Perspektiven aus? Es gäbe da im Oktober die Möglichkeit, sich für den Studiengang szenisches Schreiben an der UdK zu bewerben. Das wäre auch schon alles. Ich habe ja bereits vor der Lette immer mit dieser Aussicht kokettiert, allerdings ist’s blöd, wieder von Fortunas Launen abhängig zu sein. Wieder mal gibt es nur eine einzige, unwahrscheinliche Chance. Und das ist umso fieser, als man sich für den besagten Studiengang nur alle zwei Jahre bewerben kann. Im Grunde dürfte es gar keine Frage sein, dass ich es schaffe, ich wäre wirklich unendlich angefressen, wenn man sich gegen mich entscheidet. Hoffen wir das Beste. Bis dato schreibe ich natürlich weiter an meinem Höllenbuch und plane eine große Sache, die ich jedoch nicht näher beleuchten darf. Bis dahin.

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