Weichspüler ist ihr Hobby

von romantischverklaert

Heute soll es mal wieder richtig ernst zugehen: Weichspüler. Kennt ihr das? Diesen gottgleichen, berauschenden, trunken machenden Duft? Diese Endorphindröhnung, der man anheim fällt, wenn man frische, flauschige, elysisch riechende Wäsche trägt? Oder jenen entzückenden Augenblick, in dem die einstmals schmutzige Wäsche aus der Waschmaschine hervorgeholt und aufgehangen wird? Die Vorher-Nachher-Vorstellung von dreckig, stinkig zu sauber und Blumenfrisch? Weichspülen ist meine Manie und Wollust. Prinzipiell versetzt mich Sauberkeit bzw. die saubere Anmut von Küche, Bad und Flur nach dem Putzen in einen exzessiven Glückstaumel – je dreckiger die Wohnung ist, desto heftiger die Ekstase beim Saubermachen, hach ja, das ist ganz herrlich. Am meisten erquicke ich mich ja daran, das Badezimmer, insbesondere die Toilette, zu reinigen.  Es ist immer wieder Ekel erregend, das Klo zu putzen, jedes Mal möchte ich ein bisschen kotzen; doch sobald ich der Abart kühn ins Auge geblickt und sie mit Badreiniger, WC-Ente und Klotabs – Klotabs und ich, eine große Liebe  – niedergestreckt habe, fühle ich mich bis in die Haarspitzen stimuliert – irgendwie bringt mich das Wort Klo-Reiniger gerade übelst zum Lachen.  Das einzige, was ich wohl niemals packen werde, ist, mein Zimmer für wenigstens zwei Tage in Ordnung zu halten. Zimmer und Ordnung… das belastet mich ungemein, kriege ich einfach nicht unter einen Hut. Kommen wir allerdings nochmal auf den Weichspüler zurück: Ich bin außerstande, Worte dafür zu ersinnen, die mein Entzücken greifbar machen dürften, wenn ich im DM oder Rossmann vor den Waschregalen stehe. Frauen liebe Schuhe? Pah, lächerlich, die lieben Weichspüler, dessen Duft sie in ein seliges Delirium stürzt. Ich bin ja der Meinung, dass man für Weichspüler nie genug Geld ausgeben kann, selbst wenn man ein Geizkragen und Pleitegeier ist wie ich. Lenor und Vernel, hach, sie rauben mir den Atem, lassen mich vor Erfüllung erzittern.

Kinder können ganz herzzerreißend sein, vor allem mein vierjähriger Neffe. Wie ihr euch vielleicht noch daran erinnern könnt, ist mein Hund Toni im Februar gestorben. Ich war bei der Einschläferung dabei, grausam das, erlaubte mir gleichwohl nicht zu weinen. Immer wieder wird mir jedoch bewusst, wie sehr ich ihn vermisse und lieb hatte, eine schmerzhafte Sehnsucht und Traurigkeit überfällt mich immer wieder. Zuletzt lag ich im Bett, als mich eine Kummerwelle mitnahm. Interessant ist, dass meinem Neffe, wie ich später erfuhr, zur selben Zeit eine ähnliche Traurigkeit überkam. Er erzählte meiner Schwester plötzlich, wie sehr er Toni vermisse, woraufhin sie ihm anbot, mit ihm ein Bild zu malen. Das taten sie auch und mein Lieblingskind zeichnete mit aller Inbrunst und Hingabe. Als er fertig war, raffte er sich auf und erklärte meiner Schwester unter Tränen und Schluchzen unglaublich klar und reflektiert sein Bild: In einem Flugzeug wolle er mit Mama und Papa zum Himmel fliegen, doch das gehe ja gar nicht, Toni sei einfach nicht mehr da; Toni sitze auf einer Wolke, aber sie können ihn nicht sehen sondern nur er sie; Er wolle Toni kuscheln, streicheln und so weiter, doch sei es nicht möglich. Meine Schwester war so bewegt von seiner Trauer,  dass sie  ebenfalls in Tränen ausbrach und ihn umarmte… und als der Vater, mein Schwager, auch noch hinzukam, heulten sie alle zusammen. Das ist ein Bild und eine Geschichte für die Götter, derart rührend, schön und schmerzlich, dass das Herz droht, zu zerbrechen. Frappierend, wie gut er bereits mit seinen vier Jahren den Tod begreift.

Ich bin übrigens bei meinen Eltern zu Besuch. Mein Lieblingsmensch, die Schwester, ist in der Heimat und jetzt will ich die kurze Zeit, die uns beschieden ist, mit ihr und meinen Neffen voll ausschöpfen. Meine Schwester trachtet danach, sich mit mir in eine Homo-Kneipe zu begeben und mich lächerlich zu machen: das klingt verheißungsvoll.  Natürlich hat meine Reise in die Heimat zur Folge, dass mein Manuskript ein paar Tage unberührt bleibt – ich kann hier nicht rauchen und wenn ich beim Schreiben nicht rauchen kann, geht bei mir kaum was -, allerdings ist es dieses Mal nicht so tragisch, da ich in den letzten zwei, drei Wochen wieder in  meinen alten Flow gefunden habe: 20 Seiten, ich bin zufrieden, insgesamt sind’s jetzt 170. Auch den Moravagine will ich jetzt am Wochenende durchlesen, mehr als zwei Drittel habe ich bereits weg.

Ach ja, es gibt da noch ein Video, das ich niemandem vorenthalten will. Eigentlich bin ich echt kein Fan von Bully, doch seine Sissi-Parodie liebe ich noch bis heute – „Der Landmann steht mit dem Rücken zu uns“, „Wir könnten ihn rufen“, „Nein, das geht nicht, Franz, wir kennen nicht seinen Namen“, „Hmmm, eine verfahrene Situation… „. So toll!!!!

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