ICH WILL DOCH NUR WISSEN, WO DIE GEWÜRZE STEHEN!

von romantischverklaert

Eigentlich sollte ich schlafen. Eigentlich. Eigentlich ist eigentlich ein ziemlich überflüssiges Wort und gehört eigentlich abgeschafft. Einerlei. Ich rauche zuviel. Das ist nicht gut. Insbesondere dann, wenn das Zimmer vollgequarzt wird, in dem Wäsche hängt. Es ist zum Kotzen. Mir ist es bereits am Mittwoch tatsächlich gelungen, das Glasperlenspiel durchzulesen. Ich hätte es niemals für möglich gehalten, noch vor August fertig zu werden, die Freude ist dementsprechend groß.  Jetzt ist endlich Blaise Cendrars Moravagine. Der Moloch dran. Darauf habe ich mich irgendwie ziemlich gefreut, weil es bei Amazon nicht erhältlich war – offensichtlich ist Moravagine in Deutschland nicht allzu bekannt. Ich bin zufällig darauf gekommen, fragt mich bitte nicht, wie, es wäre ein zu weites Feld und interessieren würd’s ohnehin keinen. Immerhin möchte ich aber erwähnen, wie ich es ergattert habe. Da hatte ich diesen Titel entdeckt und wurde auf einmal ganz scharf darauf – womöglich weil es ihn zurzeit nirgendwo mehr neu zu kaufen gibt: er erschien mir als Kleinod. Es bestand lediglich die Möglichkeit, das Buch gebraucht zu bekommen. Im Grunde keine große Sache, allerdings war Moravagine selbst bei den Privathändlern teurer als ein Taschenbuch bei Thalia. Ich suchte ein kleines Weilchen und entdeckte irgendwann eine richtige Perle, namentlich Medimops. Medimops ist gleichsam ein Internetflohmarkt für Bücher, CDs, DVDs und Spiele, wirklich ganz toll! Nun stellte sich mir jedoch folgende Frage: Bestellst du dir jetzt den Moravagine oder vier Bücher, die zusammengerechnet genauso teuer sind wie dieses eine. Nach langen Erwägungen entschied ich mich für ersteres. So bekam ich meinen Moravagine und war sehr glücklich, hach. Rezis gibt’s allerdings erst wie 2010 am Jahresende, will ich jedenfalls so fortsetzen, hat mir gut gefallen.

Themenwechsel: Vor ein paar Wochen bin ich mal mehr oder weniger flüchtig über Emilie Jouvet gestolpert. Emilie Jouvet ist eine lesbische, französische Fotografin,  deren Portfolio aus recht schlüpfrigen Bildern von sexuell interagierenden Queers besteht.  Kann man sich angucken, hab ihre Seite auch bei Facebook geliked, danach aber auch schon wieder vergessen… bis vor einigen Tagen eine Statusmeldung erschien, in der ein Taz Artikel über ihren neuen Film Too Much Pussy verlinkt war. Ich guck rein, hatte ja nichts zu tun, lese den Artikel und will mehr über die  Jouvet wissen, macht sie doch – was voll an mir vorbeigegangen ist – Lesbenpornos mit Lesben. Na, wenn das mal nicht verheißungsvoll klingt. So glotze ich also rein, klicke alles an und lande irgendwann beim Trailer zu One Night Stand, ihren ersten Lesbenstreifen. Auf einmal ertönte da so eine Musik, geiler Electroscheiß, und ich war sofort geflashed. Der Song war absolut inspirierend. Woher kommt eigentlich die Mucke, ich sann nach, scrollte und erspähte bald den Trailer. Ah! Ich ließ ihn immer wieder neu ablaufen, einfach nur, um diesen Song zu hören.  Dann ließ mich dieser Streifen nicht mehr los, ich musste ihn haben, und sei es nur wegen des Songs – na klar, ich hatte auch diverse Vorstellungen, was mich da erwarten könnte, sowieso, nuttige, lasterhafte Weiber, die kühn und mit Raubtierinstinkt durch einen Club schleichen und in Klos ficken. Die letzten Tage war ich wie besessen, also suchte ich fanatisch nach diesem Film. Ich hätt’s mir bestellt, sogar fünfzehn bis zwanzig Euro dafür bezahlt; der Spaß am Fanatismus hört bei mir gleichwohl auf, wenn ich knapp fünfundfünfzig Euro blechen soll. Tut mir Leid, dann muss ich ihn mir entweder downloaden oder jemanden darum anflehen, sich meiner Gier zu erbarmen.  Ich entschied mich für ersteres und hatte wahnsinniges Glück: Rapidshare, baby – gibt’s übrigens nirgendwo sonst. Nun war der Film allerdings gesplittet (avi.001, avi.002 etc.) und ich wusste erst nicht, was mit den einzelnen Dateien anfangen. Ach, was war ich traurig, so sehr, dass ich zwei Tage später mal recherchierte. HJ Split sollte mir schließlich meinen Wunsch doch noch erfüllen. Jetzt hatte ich meinen Film zusammen. Ich muss sagen, ich hab mir nur wenig angesehen; zumeist nur durchgespult bis zu den Chicas, die ich ansprechend finde. Es waren lediglich zwei, und die fallen auch gleich im Vorspann übereinander her: dumm nur, wenn’s bloß dabei bleibt. Wenigstens lässt sie sich in einer Toilette ficken. Der Rest, wie gesagt, hat mich nicht nennenswert tangiert, zwei Episoden mit Transmännern, eine mit Fisting (vaginal), dann eine gewöhnliche Sexszene im Klo und so weiter. Jouvets Porno ist vielfältig und recht unerschrocken, obwohl die Genitalien eigtl. gar nicht sooo sehr im Fokus stehen. In erster Linie sieht man eben, wie die Frauen aufeinander/nebeneinander liegen usw. und dann losvögeln – von endlosen Nahaufnehmen von Mösen wird abgesehen. Irgendwie hat das eine gewisse Ästhetik, nicht zuletzt auch wegen des undergroundmäßigen Bildes und der rauen Electro-Musik. Dass der Film billig produziert ist, ist klar, das macht ja die Ästhetik des Streifens aber auch aus. Bemängeln würde ich den Übereifer hinsichtlich der dargstellten Praktiken. Wollte Jouvet mitunter Klischees niederreißen? Werde zumindest das Gefühl nicht los. Doch: Warum ist es so wichtig, dass Leute anerkennen, dass Lesben – die sich nun mal nicht penetrieren können (es sei denn Strap-On, Finger oder Gebrauchsgegenstände)- Sex haben und nicht nur Petting machen? Ist mir ehrlich gesagt Latte, dann hat die Lesbe eben keinen richtigen Sex, sollen die Leute doch faseln, was sie wollen. Na ja, was Jouvet gewiss beabsichtigte, war, etwas Authentisches zu schaffen, also etwas, das in der Porno-Brange kaum vertreten ist. Glückwunsch! Selbstverständlich gibt’s da noch viel mehr zu zeigen und möglicherweise auch in einer einheitlicheren Darstellung. Doch ist es eine erfrischende Abwechslung zum realitätsfernen Youporn-Dünschiss.

Und zuletzt ein Ausschnitt aus dem DDR-Klassiker Die Legende von Paul und Paula.  Habe einen Bruchteil des Films am Mittwoch mit drei anderen dank sehr komischer Zufälle im Freiluftkino Volkspark Friedrichshain gesehen. Sehr strange, und, verdammt! die alten Sachen der Puhdys rocken mal total. Lustig nur, dass man einen Underground-Lesbenporno irgendwo aus dem Netz bekommt, dafür aber nichts von den Puhdys.

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