Komm‘, lass uns die höchsten Berge erklimmen! Und nur die Höchsten!

von romantischverklaert

Dass ich mich für die höchsten Berge der Welt, namentlich die vierzehn Achttausender, brennend interessiere, ist so schrecklich Symbol beladen wie bezeichnend für mich. Nicht alle üben diese exorbitante Anziehung auf mich aus. Z.B finde ich den Mount Everest bei weitem nicht so fasznierend wie den K2, die Annapurna oder natürlich den Nanga Parbat: was vor allem dem geschmacklosen Namen des höchsten Bergs der Welt geschuldet ist. Allein die Begriffe Khumbu-Eisbruch oder – wie großartig – Tal des Schweigens elektrisieren mich gleichermaßen wie die Aufnahmen einer Achttausender-Besteigung. Warum? Tal des Schweigens… oh my, schaut mal das Tal an und spricht dabei seinen Namen aus, das enthält so eine kolossale Verlorenheit – man nennt den Khumbu-Eisbruch übrigens auch Khumbu-Gletscher; mag die Bezeichung allerdings überhaupt nicht, weil für mich die Komponente das Übermächtigen verhallt. Der K2 ist faszinierend wegen seiner Pyramidenartigen Erscheinung, er schaut nicht wie viele seiner Achttausender-Artsgenossen aus, die in andere Massive übergehen, man muss nicht erst spekulieren, wo er anfängt und wo er aufhört; nein, er steht für sich allein und ganz und gar majästestisch da, wie ein Fels gewordener Maßstab für Macht. Kennengelernt habe ich diesen Berg, als ich ein Illustriertes Bergsteiger-Buch Reinhold Messners, das ich im Bücherschrank meiner Eltern entdeckt hatte, durchbletterte. Beim Stöbern hielt ich beim K2 an. Klingt wie ein Sportausrüster, dachte ich. Seltsamer Name. Und er steht im Karakorum und ist der zweithöchste Berg der Welt. Momentan verfolge ich gespannt Gerlinde Kaltenbrunners – ich glaube- fünften/sechsten Besteigungsversuch des K2. Er ist der einzige Achttausender, dessen Gipfel sie noch nicht erreicht hat.

Am meisten interessieren mich diejenigen Achttausender, die entweder viele Todesfälle durch Besteigungsversuche aufweisen und einen gewaltig klingenden Namen tragen. So ist die Annapurna mitunter besonders spannend für mich, da statistisch gesehen auf jeden zweiten Gipfelerfolg etwa ein Todesfall folgt. Klar ist natürlich auch, dass mich der Nanga Parbat, auch bekannt als der Schicksalsberg der Deutschen, unheimlich fasziniert – vor allem wegen der Siegi-Löw-Gedächtnisexpedition im Jahre 1970, als Günther Messner beim Abstieg unter unglücklichen und bis heute nicht eindeutig geklärten Umständen starb (Übrigens: Rupalwand, Diamir-Flanke… was für Namen, was für Geschichten!). Am liebsten möchte ich die ganze Geschichte erzählen und obendrein eine wirklich sehenswerte Doku verlinken; allerdings bezweifele ich stark, dass es den überwiegenden Teil meines sehr überschaubaren Leserkreises genauso interessiert wie mich. Aus diesem Grund füge ich lediglich den Link besagter Doku hinzu, die ihr euch HIER bei Bedarf ansehen könnt.

Es ist allerdings nicht so, dass meine, nenne ich es, Vorlieben ein Interesse an den restlichen Achttausendern ausschließen. Nein, sobald ich erfahre, dass irgendein Bericht über ein Achttausender im Fernsehen ausgestrahlt wird, schalte ich ein. Selbstredend begeistere ich mich vornehmlich für Besteigungsberichte, da ich dann immer davon ausgehe, gewaltige, nie gesehene Bilder und einen bahnbrechenden Kampf zu sehen zu bekommen. Bisweilen wünschte ich mir, wenigstens zum Concordiaplatz zu reisen, um dort den K2 und den Broad Peak aus nächster Nähe zu bestaunen – bestaunen, ja wirklich, absolut treffend! Aber nun ja, wie gesagt, wer mich kennt und diesen Artikel liest, wird sich denken  hm, passt ja, das überrascht mich nicht. Tja, vllt. dürfte es in diesem Kontext dann umso bemerkenswerter erscheinen, dass ich den Olympus Mons – göttlicher Name -, der mit 26 Kilometer  Höhe (Angaben schwanken von Quelle zu Quelle) und 600 Kilometer Durchmesser der größte Berg in unserem Sonnensytem ist, wegen seiner lächerlich üppigen Ausmaße nicht sehr spannend finde. Zum einen wird ihn, solange ich lebe, nie ein Mensch besteigen, zum anderen sind mir derartige Dimensionen zu abstrakt, als dass ich mich daran noch auf irgendeine morbide Weise erlaben könnte.

Komme ich nun allerdings wieder zu den weltlichen Besteigungen, die zwar nicht mit dem Niveau einer Achtausender-Beisteigung gleichzusetzen sind, doch zumindest mit dem des Elbrus. Wer hätte gedacht, dass es mir tatsächlich einmal gelingt, mehr oder weniger erfolgreich nach Berlin zu ziehen – ich am aller wenigsten, labere ich davon doch bereits seit 2008! Na ja, ist man erst einmal dort, zeigt sich das Leben – egal, wie beflissen man es zuvor verklärt hat – in einer weniger schönen Gestalt, als es sich in Sehnsüchtelein dereinst darbot. Die Atmosphäre Berlins ist für mich ganz anders, als ich sie als Dauertourist empfand. Doch nicht nur das: Auf einmal stellt man – und darauf kann man sich wohl kaum adäquat vorbereiten – konsterniert fest, wie schwierig die finanzielle Geschichte beschaffen ist, insbesondere wenn man total auf den Staat angewiesen ist. Miete, Lebensunterhalt, Internet, Fahrkarte, Nebenkosten, Studium bzw. Schulgeld, Rauchen… und ich weiß noch nicht einmal, wie viel Bafög ich bekomme, zum Kotzen das. Angesichts dieser Umstände ist es wirklich ein Drahtseilakt, zumindest einmal zur Ruhe zu kommen. Offengestanden fühle ich mich gerade ziemlich überfordert und habe große Angst, so schnell zu scheitern wie 2007 – was genau vorgefallen ist, möchte ich nicht näher erläutern. Ich hoffe nur inständig, mich gut und ohne nennenswerte Probleme akklimatisieren zu können. Die Hoffnung ist übrigens mehr als berechtigt, denn die Fähigkeit zur Akklimatisierung zählt seit jeher zu meiner Achillesferse.

Neben all den Aspekten der Finanzierung und Akklimatisierung frage ich mich darüber hinaus, wie es mir gelingen soll, sowohl mein Buch als auch mein Lesepensum zu bewältigen. Momentan habe ich für beides keinen Kopf, Bücher rühre ich teilweise gar nicht erst an und beim Schreiben lasse ich mich beständig von noch so kleinen bedeutungslosen Fickscheißhaufen ablenken. Die Kraft zur Disziplin ist bei mir gegenwärtig sehr rar gesät. Aktueller Stand: 151 Seiten nach einem dreiviertel Jahr. Vor einem Jahr zu selben Zeit und im gleichen Zeitraum hatte ich mein Buch Bitte sei nicht Luzifer! mit etwa 275 Seiten fertig gestellt und vor zwei Jahren im gleichen Schreibtempo die erste Fassung des Höllenbuchs. Deprimierend – oder nein, vielmehr finde ich es beängstigend, da ich nicht selten befürchte, mein Manuskript niemals zu beenden. Am Freitag bekam ich übrigens eine E-Mail vom Goldmann-Verlag, in der mir mitgeteilt wurde, man habe sie sich gegen Bitte sei nicht Luzifer! entschieden. Diese Nachricht hat mich allerdings aus zwei Gründen nicht allzu sehr mitgenommen. 1.) Der Goldmann-Verlag ist zwar groß und schon allein deswegen ein Grund, angeschrieben zu werden, aber kein Kandidat, der auf meiner Favoriten-Liste stand – thahaha. 2.) Die Nachricht kam ein dreiviertel Jahr, nachdem ich allen großen Verlagen mein Buch bzw. Textausschnitt zugesandt habe, das heißt also, dass ich mir möglicherweise noch leise Hoffnungen machen darf, Rückmeldungen von anderen zu bekommen. Bisher habe ich insgesamt nur zwei erhalten, eine von – erinnern wir uns – DTV  und eine von Goldmann.

Zuletzt möchte ich noch erwähnen, wie sehr ich mich mit einem Werk Hesses quäle – zum ersten Mal überhaupt. Dabei handelt es sich um das Glasperlenspiel, das so schrecklich vertrocknet und ereignislos ist, dass ich mich regelrecht zum Lesen zwingen muss. 150 grausam öde Seiten habe ich durchgelesen und noch weitere 420 stehen mir bevor… ich möchte kotzen. Selten war die Devise so sehr Augen zu und durch wie bei diesem Buch. Dabei war ich am Anfang, nach den ersten fünf Seiten, der Annahme, endlich mal wieder einen Roman zu meinen Lieblingen zählen zu können nach diesem bisher sehr mauen Literaturjahr. Es sollte mich allerdings wundern, wenn eine Wende noch tatsächlich eintreten sollte.

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