Einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll.

von romantischverklaert

In meinem heutigen Beitrag möchte ich mich ausnahmsweise mit einem sehr ernsten und m.E. auch wichtigen Thema befassen. Es handelt sich um die Leugnung des Holocausts.  Wie komme ich dazu? Will ich es euch erklären. Nachdem ich mir heute zum xten Mal Claude Lanzmanns Meisterwerk Shoah angesehen habe, googelte ich Rudolf Vrba, der unter anderem auch von Lanzmann interviewt wurde. Rudolf Vrba ist es in Zusammenarbeit mit Alfréd Wetzler gelungen, aus der hermetisch abgeriegelten Hölle Auschwitz zu fliehen. Der Grund für dieses Unterfangen auf Leben und Tod war zum einen, dass Vrba nach der Vergasung des Familienlagers BIIB feststellte,  dass die Widerstandsbewegung unter den Häftlingen, der er angehörte, nicht auf einen tatsächlichen Aufstand ausgerichtet war sondern nur auf das Überleben der Mitglieder der Bewegung; Zum anderen erfuhr er, dass bald etwa eine Million ungarischer Juden deportiert werden sollten. Daraufhin fasste Vrba den Entschluss, mit seinem Freund Wetzler zu fliehen. Seine Überlegung war:

[…]wenn es mir gelinge, aus dem Lager auszubrechen, und die richtige Stelle zur rechten Zeit zu benachrichtigen, könne vielleicht auf diese Weise geholfen werden. Indem ich von außen Hilfe herbeiholte! Es war meine feste Überzeugung, dass all dies nur möglich sei, weil entweder die Opfer, die nach Auschwitz kamen, nicht wussten, was sie dort erwartete, oder dass, wenn jemand außerhalb davon wusste, dieses Wissen… Ich würde sagen, sie wussten nichts davon. Ich dachte, dies müsse nur überall bekannt werden, in ganz Europa und besonders in Ungarn. Von dort wurde bald eine Million Juden in Auschwitz erwartet, im Mai, das wusste ich. Dann werde der Widerstand außerhalb geschürt und das werde für Hilfe in Auschwitz sorgen. Also wurde der Fluchtplan gemacht, und am 7. April fand die Flucht statt.

Die Flucht gelang ihnen und sie erstatteten sogleich einen detaillierten Bericht über die Todesmaschinerie in Auschwitz, auch bekannt als Vrba-Wetzler-Bericht, der im Juni 1944 zu den westlichen Allierten gelang.

Nun gut, ich googelte also Rudolf Vrba und fand bereits auf der ersten Seite eine merkwürdige Überschrift: Robert Faurisson über den Auschwitz-Poeten Rudolf Vrba. Neugierig, wie ich bin, klicke ich auf die Anzeige und finde mich sogleich in einem Forum wieder. Ohne dem Forenbanner Beachtung zu schenken, wandte ich mich augenblicklich dem gleichnamigen Post zu. Er beginnt wie folgt:

Vichy / Toronto / Auschwitz : Am 6. Januar berichteten wir von der Neuauflage der poetischen Abfassung des Juden Rudolf Vrba alias Walter Rosenberg. Das alte neue Buch nennt sich Ich kann nicht vergeben und der Poet dichtet darin über seine Zeit im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Wir erinnerten daran, daß dieser Mann quasi als Urkeimzelle des weltweiten Gassenhauers “Die Gaskammern von Auschwitz” angesehen werden kann.

Außerdem berichteten wir darüber, wie dieser im ersten Zündel-Holocaust-Prozeß 1985 in Toronto/Kanada, unter Eid im Zeugenstand stehend, auf die Frage des Verteidigers von Ernst Zündel, den Kanadier Douglas Christie, welchen Wahrheitsgehalt denn seinen Erzählungen zu den Gaskammern und den Geschehnissen in Auschwitz beizumessen sei, sich nicht entblödete schlußendlich zu antworten, sein Auschwitz-Bericht beruhe auf seiner licentia poetarum, also seiner poetischen Lizenz, kurz gesagt, seinem Recht zu Fabulieren.

Mein erster Gedanke: Ach du Scheiße, wo bin ich denn hier gelandet. Weiter heißt es:

Nun ist es uns gelungen, vom weltweit anerkanntesten Kenner der Materie, dem französischen Revisionisten Professor Robert Faurisson, eine kurze Stellungnahme über dieses damalige Debakel des Holocaust-Heiligen Rudolf Vrba/Walter Rosenberg zu erhalten. Zur Erinnerung: Prof. Faurisson war der wissenschaftlich-historische Berater von Douglas Christie und Ernst Zündel im Prozeß in Toronto 1985 und damals selbst anwesend im Gerichtssaal.

Man beachte bitte das Dickgedruckte. Warum? Weil Robert Faurisson, wie ich nach späteren Recherchen erfuhr, kein weltweit anerkannter Kenner der Materie – die diffuse Formulierung per se ist schon zum Wegschmeißen- ist, sondern höchstenfalls ein weltweit anerkannter Holocaustleugner.

Außerdem war Faurisson derjenige, der als Erster bereits Ende der 70er Jahre die Originaldokumente der Bauzeichnungen der Krematorien des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau im polnischen Museum zu Auschwitz gefunden hatte – Dokumente, die belegten, daß die Krematorien reine Krematorien gewesen waren – so wie andere Krematorien auch.

Das ist mir neu. Und auch bei meinen Google-Recherchen konnte ich keine seriösen Quellen ausfindig machen (die ganzen Nazi-Antisemiten-Holocaust-Seiten nehme ich freilich nicht ernst.), die Derartiges belegen. Weiter:

Hier also die kurze Stellungnahme von Prof. Faurisson zum Auftritt von Rudolf Vrba/Walter Rosenberg im Gerichtssaal von Toronto 1985:
Der Maulheld zeigte bei seiner Ankunft eine extreme Arroganz und eine Vielzahl von Journalisten und Kameras hofierten ihn.[…]

Mauhlheld ist bereits eine Bezeichnung, die auf eine sehr „seriöse“ Haltung – die da wäre Sachlichkeit, Abstand, Objektivität-  eines Historikers hinweisen. Na ja, ist wohl nicht jeder ein Raul Hilberg (Der kurze Einwurf sei mir bitte verziehen.)

Dann, mit den Fragen, die ich ihm vorbereitet hatte, schaffte es Christie, ihn in die Enge zu treiben. Und dann ist der angebliche Meister der Genauigkeit zusammengebrochen und hat bekundet, daß er in seinem schriftlichen Bericht die „licentia poetarum“ benutzt hatte. Der Staatsanwalt Griffiths war darüber niedergeschmettert und, offensichtlich wütend, hat ihn während der Schlußbefragung mit der folgende Frage erschossen, die er ihm gleich zu Beginn ohne jede Rücksichtnahme gestellt hat: „Sie haben Herrn Christie mehrere Male bei der Durchsprache Ihres Buches Ich kann nicht vergeben gesagt, daß Sie beim Schreiben des Buches poetische Lizenz benutzten.Haben Sie poetische Lizenz in Ihrer Zeugenaussage benutzt?“ Griffiths hat ihm eine andere ebenso perfide Frage gestellt und Vrba hat mit Geschwafel geantwortet. Angewidert, hat Griffiths erklärt, er verzichte auf seine dritte Frage[…]

Aaaach, mit Geschwafel hat Vrba geantwortet! Ja, jetzt würde mich einmal interessieren, was dieses Geschwafel beinhaltete? Mal angenommen, es habe tatsächlich ein derartiges Geständnis gegeben: Für nötig befunden, zu hinterfragen, inwieweit Vrba sich die poetische Lizenz zu Nutzen gemacht hat, das heißt also, in welchen Zusammenhängen usw., hat es Faurisson allerdings nicht. Möglicherweise ist es ihm einerlei? Oder findet es in seinem Konstrukt vielmehr keinen Platz?

Den Rest dieser sich zurechtgelegten braunen Wahrheit will ich allen Lesern ersparen. Wer allerdings dennoch das masochistische Interesse hegt, sich in die Abgründe der Verwschörungstheorien zu begeben, brauch lediglich Rudolf Vrba in die Google-Suchleiste eingeben. Bedauerlicherweise ist nämlich so, dass einem überwiegend Seiten von Holocaustleugnern angezeigt werden, die denselben Fall (um)beschreiben und sich an ihm ergötzen (sei es White News Now – eben jenes Forum, indem ich diesen Thread bzw. Post gelesen habe-, Altermedia, Politforum.net usw.)

Es versteht sich von selbst, dass ich nach dem Lesen erfahren wollte, wer dieser Robert Faurisson eigentlich ist, und ich lachte fast, als ich auf Wiki las, er sei einer der bekanntesten Holocaustleugner, der den Einsatz von Gaskammern in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern bei der Ermordung von KZ-Häftlingen wie überhaupt die systematische Vernichtung der Juden und anderer Gruppen bestreite. Interessanterweise habe ich auf Anhieb auch ein Youtube-Video mit dem Titel Das Problem der Gaskammern entdeckt, in dem Faurisson seine lächerlichen Feststellungen, denen er eine fundierte Beweislage unterstellt, vorträgt. Wer das Video sieht oder auch nur die ersten fünf Minuten, wird sich persönlich angegriffen fühlen; versucht der Mann doch ganz eklatant, einen zum Narren zu halten – dumm nur, und das im Wahrsten Sinne des Wortes, dass es ihm  bei manchen  auch tatsächlich gelingt. Doch – Augenblick – hust – aber – nein – aber wenn – wenn ich mich doch irre und es wirklich keine Gaskammern gegeben hat? Was ist –  ja –  wenn die SS-Leute in den Lagern geschwindelt haben, als sie vor Gericht, in Interviews usw. die Existenz von Gaskammern und die Vernichtung als solche bestätigt haben? Mir wäre jetzt danach, jede im Video geäußerte Aussage rauszuschreiben und ins Lächerliche zu ziehen. Der Film ist ungeheuerlich, eigentlich darf man darüber schon fast gar nicht mehr lachen – immerhin lässt es einmal mehr offenbar werden, wie vertrauenswürdig der von mir zitierte Bericht bezüglich Vrba ist.

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