Toni – oder meine kleine Plinki-Nase

von romantischverklaert

Auch wenn es seltsam klingen mag, möchte ich diesen Post meinem heute verstorbenen Hund widmen. Sein Name war Toni und er wäre fast sechszehn Jahre alt geworden. Komisch das, also, dass es mir so nahe geht, hätte ich einfach nicht vermutet. Entseelt ist dieses Tier, es ist nicht mehr da, liegt nicht mehr im Flur, stinkt nicht mehr vor sich hin – das hat es nämlich in den letzten trübseligen Monaten. Man merkt es einfach sofort, diese Absenz, die umso auffälliger ist, je stärker man an das Leben, auch wenn es zuletzt nur noch ein Schwaches war, denkt, das kürzlich noch dieses Tier beseelt hatte. Der ganze Vorgang war bereits unheimlich; Ich stand mit dem Wissen auf, dass der Hund, der mich fast mein ganzes Leben lang begleitet hatte, in wenigen Stunden tot auf den Tisch einer Tierarztpraxis liegen wird. Noch schlimmer als das war der Moment, in dem mein Vater den Hund und mich abholte… eine Fahrt in den Tod. Töricht, wie man in solchen Momenten bisweilen ist, fragte ich mich, ob der Hund ahnt, was ihm bevorsteht. Wir gingen in die Praxis hinein, alles war bereits vorbereitet, Toni war ja immerhin in den vielen Jahren bekannt geworden. Als ich mich daran entsann, wie viel Widerstand er seinerzeit beim Tierarzt geleistet hatte, und ihn dann ansah und mitverfolgte, wie er einfach dorthin taumelte, wohin man ihn führte, wurde mir klar, wie kraftlos und kaputt er tatsächlich war. Wir gingen hinein, Mutter, Vater, ich, der Hund, die Ärztin und eine Assistentin. Es ging alles ganz schnell, das Tier brach sofort zusammen – Mutter mit zitterndem Kinn, Vater unvermittelt in Tränen ausbrechend, ich gegen einen Gefühlsausbruch ankämpfend und äußerlich den Anschein der Gefasstheit erweckend. Nachdem die Ärztin ihn abgehört und seinen Tod festgestellt hatte, ging ich hinaus und öffnete den Kofferraum, in dem der Hund verladen werden sollte. Als mein Vater mit dem zugedeckten Tier in den Armen hinaus kam, übermannten ihn nochmals seine Gefühle, ehe wir allesamt ins Auto stiegen und zum Krematorium fuhren. Dort sah ich Toni ein letztes Mal. Seine Augen waren geschlossen. Dieses Bild werde ich nie vergessen.

So ein Ereignis, ein Todesfall, hinterlässt, selbst wenn es ein Tier ist, nicht nur einen Verlust, ein merkwürdiges Ausbleiben, sondern auch einen tiefen Eindruck. Man wird sich bewusst, dass der Tod die Angelegenheit eines jeden ist, dass ein jeder seine Grenze hat, an die er stößt und über die er sich nicht hinwegsetzen kann und dass einem jeden ein endgültiger Verlust, mindestens eine Amputation bevorsteht. Bei derlei Gedanken kann ein junger Mensch nur erschauern. Aber das ist auch okay so…

Lange habe ich nichts von mir hören lassen, deswegen möchte ich, trotz des tragischen Tages, den Fokus auf die letzten Entwicklungen meinerseits richten, ehe ich den Eintrag beende. In den letzten Wochen kassierte ich wieder eine Reihe Rückschläge, die ich nur schwer verwinden kann. Am 20 Januar reiste ich für etwas mehr als zwei Wochen nach Bremen zu meiner Schwester, um zum einen aus der dörflichen Hölle zu flüchten – flüchten, das kann ich gut- und zum anderen die Arbeiten an meiner Mappe zu beenden, die ich für die KH Weißensee für den Studiengang Visuelle Kommunikation anfertigte. Die Zeit drückte sehr, ich war allzu sehr im Verzug. Zu allem Unglück raffte mich auch noch am 1 Februar eine hartnäckige Magendarm-Grippe weg, die es mir nahezu unmöglich machte, etwas qualitativ Wertvolles zu produzieren. Die Tage vergingen, ich betete, mein Zustand möge sich bald verbessern, doch er wollte und wollte es nicht. Schließlich reiste ich notgedrungen ein Tag früher als geplant nach Kränzlin zurück, arbeitete am nächsten, den 6 Ferbruar, mit Magendarmgrippe und, neu hinzugekommen, Blasenentzündung durch und fuhr am 7 Ferbruar in der Frühe nach Berlin Weißensee mit 38,4 °C Fieber, das mich in der Nacht heimgesucht hatte. Trotz aller Bemühungen bin ich gescheitert. Der einzige Trost war, dass ich mich kurz danach wie von Zauberhand erholte.

Ein weiteres Trübsal in meinem Leben ist die Suche nach einem Praktikum. Eigentlich dachte ich dieses bereits in der Tasche zu haben, hatte ich mich doch im Dezember – wir erinnern uns – mit einem Fotodesigner  getroffen, der mir versicherte, er würde sich im neuen Jahr bei mir melden. Bisher kam allerdings immer noch nichts und auf meine E-Mail-Rückfragen erhalte ich auch keine Antwort. Scheiße das, ich habe bereits so viele Fotografen angeschrieben, dass ich gar nicht weiß, an wen ich mich jetzt noch wenden könnte.

Und das allerbeste zum Schluss. Die Agentur für Arbeit ist der letzte Scheißverein. Zunächst strich man mir im Dezember das Kindergeld, weil sie keinen Nachweis hatten, dass ich mich auch tatsächlich um meine berufliche Laufbahn kümmere. Im Januar legte wir dann den gewünschten Beweis nach. Jetzt kommt allerdings der Hammer: Unvermittelt fragt das Arbeitsamt, was ich denn 2009 getan hätte und meine Mutter erwiderte, ich sei lange Zeit krank gewesen, und fragte, was das jetzt wieder für eine Rolle spiele. Nun will diese verfickte Agentur doch tatsächlich einen Nachweis für 2009, dass ich auch wirklich krank gewesen bin. Kann das nicht bescheinigt werden, verlangen sie für das Jahr 2009 das Kindergeld zurück und zahlen mir weiterhin auch keines aus… mein Gott, kann es denn noch beschissener laufen.

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