Willst du zu meiner Party? Wir haben sogar Getränke!

von romantischverklaert

Was will ich mit der Überschrift sagen? Herrjemine, es sollte doch mittlerweile bekannt sein, dass die meisten meiner Blogtitel nicht den geringsten Bezug zum jeweiligen Beitrag herstellen!

Seit einiger Zeit bin ich ja bereits ein Flickr-Mitglied. Da ja meine beruflichen Voraussetzungen sehr mies sind (zwar Gymnasium besucht, allerdings nur einen schlechten MSA mit fast vier Jahren Lücke im Lebenslauf vorzuweisen – Ursachen sind krankheitsbedingt, aber welchen Arbeitgeber interessiert das schon oder treffender noch: schreckt das nicht ab?), ich mir allerdings durchaus gewisse künstlerische Talente unterstelle und überdies eine schöne Kamera besitze, habe ich mir vorgenommen, mich in der Fotografie zu probieren –  in der Hoffnung, dort Fuß zu fassen.

Kürzlich knippste ich eine Reihe skurriler Motive, die ich in einem Flickr-Album zusammentrage. Die Beschreibung der Serie lautet wie folgt:

Eigentlich gehört mein Herz dem Schreiben und im Grunde finde ich Fotografie zum Scheißen (na ja, nicht ganz so schlimm). Allerdings hat ja meine Kamera ihre Daseinsberechtigung zum Filmdreh kürzlich verloren – einstweilen, Ton ist verdammt mies. Trotz dieser Unannehmlichkeit wäre es jedoch ziemlich verfehlt, sie vergammeln zu lassen – zu teuer, zu schade. Fotografieren kann man ja mit dem Gerät durchaus, so man denn etwas vom Handwerk versteht; Tue ich nicht, aber da ich etwas darin investiert habe, will ich mich mal etwas ausprobieren – bisweilen ist es ja mehr oder minder erquicklich für mich, wenn mir eine Aufnahme halbwegs gelungen ist, ehrlich. (Nachtrag: Und na ja, es ist, wie oben bereits geschildert, ein Notnagel..)

Zur Serie: Meine Fotos sagen prinzipiell nichts aus. Mir geht es weder um eine Botschaft noch um Provokation noch um einen Sinn oder dergleichen. Ziel ist für mich allein die Ästhetik, die auf Schrulligkeit- oder meinetwegen auch Extravaganz oder ‚Originalität‘- beruht. Was mir ziemlich auf die Sacknaht geht, sind diese inflationären (technisch versierten) (Nah-)Aufnahmen von irgendwelchen bekackten Holzbalken, Blüten und Leuten, die mal eben irgendwas mit unerträglich verbrauchten Gebärden, Mimiken und Darstellungen ausdrücken wollen – gleichwohl alles andere als einen Ausdruck erzielen, von Authentizität wollen wir gar nicht erst anfangen. Die ach so ambitionierten und „richtigen“ Fotografen trachten ja stets nach Glaubwürdigkeit, Romantik, Tiefsinn und – zuweilen- einer gewissen Lässigkeit/Leichtigkeit, indem sie das Alltägliche und die Welt, so wie sie angeblich ist, aufnehmen. Das sind schließlich – und logischerweise- auch diejenigen, die es um Himmelswillen zu vermeiden suchen, etwas zu sichtbar zu inszenieren (durch erkennbare Bearbeitung und unverhohlenes Posieren). Denn es soll ja echt, poetisch und schön sein, niemals also pathetisch und kitschig! Jetzt kommt nicht das große ABER, sondern das beträchtliche GLEICHWOHL (thahaha, ich fand den jetzt mörderisch gut) Also: Gleichwohl erreichen sie mit diesem Idealismus eben das, was sie verurteilen und ihnen zuwider ist: Inhaltsloser, glorifizierter, unauthentischer Kitsch. So trägt es sich beim Meidungsverhalten grundsätzlich zu: Je strenger das Verbot ist, das man sich auferlegt, desto häufiger wird es von einem daselbst übertreten – natürlich merkt derjenige das nicht. Das ist die unausbleibliche Konsequenz des Idealismus‘ – Der, der stets darauf achtet, niemanden zu verurteilen, ist derjenige, der insgeheim und unbewusst am härtesten und unagemessensten richtet (abwertet).
Nun käme ich gerne in die Verlegenheit, einem der beschrieben alternativen Fotografen die Frage zu stellen, was denn eigentlich am Pathos und an unverhohlenen Inszenierungen auszusetzen sei – leider ist im Moment keiner in der Nähe. Kunst ist für meine Begriffe Kunst, weil sie einzig und allein nach Ästhetik strebt und per se ästhetisch für den Beobachter ist  – das ist das primäre Merkmal, alles andere allein sekundär. Ästhetik kann schlicht oder pompös sein, sie hat viele Facetten. Doch um eine authentische Wirkung zu erreichen, darf mitnichten versteckt werden, wie unauthentisch das Werk beschaffen ist. Wer frontal in die Kamera blinzelt und sich derweil mit wollüstiger Miene an den Nippeln zuppelt,  sagt aus: „Natürlich ist das alles gestellt; natürlich sieht das jeder; natürlich geht der Beobachter nicht ernsthaft davon aus, dass ich bei der Aufnahme tatsächlich geil war: Doch als Bild sieht das verdammt ästhetisch und verheißungsvoll aus, und darum ist es mir letztlich gelegen, um die Ästhetik.“  Eben dieser Gestus bewirkt für mich Authentizität, indem man nämlich offen mit der Inszenierung umgeht, es nicht zu verstecken versucht, das man bearbeitet und oder posiert hat.
Kunst ist Ästhetik. Ästhetik ist Inszenierung. Inszenierung ist Übertreibung und Untertreibung. Die Übertreibung, der ich zutiefst verfallen bin, ist das Pathos, die Untertreibung dagegen die Nüchternheit. Extreme sind die Grundvoraussetzungen, um eine ästhetische Darstellung zu erzielen. Was dazwischen ist, ist indifferent, schwammig, ziellos, übereifrig, wie gewollt und nicht gekonnt, banal, kitschig aber vor allem inkonsequent und folglich unauthentisch. Die alternativen Idealisten von Fotografen erstreben mit ihren Fotos die Natürlichkeit, die sie in der Umwelt sehen. Was sie aber offenbar vergessen: Jedes Fotos, jedes Wort, jedes Gemälde vermag mit seinen kläglichen Mitteln niemals die ’natürliche Schönheit‘ der Welt ohne ein Mittel der Überspitzung wiederzugeben. Die Kunst ist nicht imstande, das Wahre, die eigentliche Schönheit (wobei das ja nicht einmal stimmt, wir nehmen Dinge nur als schön wahr oder wie Nietzsche es einst in Götzen-Dämmerung formulierte: Der Mensch glaubt die Welt selbst mit Schönheit überhäuft, – er vergisst sich als deren Ursache. Er allein hat sie mit Schönheit beschenkt, ach! nur mit einer sehr menschlich-allzumenschlichen Schönheit… Im Grunde spiegelt sich der Mensch in den Dingen, er hält alles für schön, was ihm sein Bild zurückwirft: Das Urteil >> schön << ist seine Gattungseitelkeit…) der Umwelt, eins zu eins zu reproduzieren – nicht nur, weil sie subjektiv ist. Man stelle sich vor, man habe eine Reise durch die Alpen unternommen und würde versuchen, das Gefühl beim Wandern und das natürlich schön Wahrgenommene künstlerisch zu vermitteln. Das kann unmöglich dadurch gelingen, indem man alles so rekonstruiert, wie man es beobachtet und empfunden hat. Es würde banal wirken, keinen Effekt verursachen, nichts klar machen, eben weil es sich nur um Kopien handelt – Kopien dienen allein zum Informationsgewinn, hinterlassen gleichwohl keinen Eindruck. Will man etwas wiedergeben, muss das, was gewesen war, durch Veränderungen (stark) übertrieben bzw. untertrieben werden. Dadurch erst kommt überhaupt eine Wirkung zustande – denke ich zumindest. Die Lüge – oder treffender formuliert: die Ausschmückung der Wahrheit- ist die Voraussetzung, sich der Wahrheit zu nähern. So verfahre ich beim Fotografieren. Die Serie soll ein pathetischer Streifzug durch die Ästhetik werden, gezielt und sichtbar inszeniert, um Glaubwürdigkeit zu erzeugen.

Neues von Pogo, es ist göttlich, ich könnte weinen!

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