Gut Ding will gut Weile haben? Steck‘ dir deinen Fatalismus in die Pflaume!

von romantischverklaert

Ach herrje, da glotze ich heute mal wieder nach Wochen der Abstinenz rein und sehe als aktuellen Posting diese emoleske Hasstirade… man (ich) denkt ja als junger Mensch, der gerne Künstler werden will und sich über euch, die Gesellschaft, die Menschheit erhaben fühlt und zetert, dass es sich nicht schickt, sich auf ein gewöhnliches oder noch schlimmer: jugendliches! Niveau zu begeben. Dabei sollte man hin wieder von seinem hohen Roß steigen – auf dem man nicht mal zu Recht sitzt – und raffen, dass man sich lediglich für eine Ausnahme hält, ohne aber tatsächlich eine zu sein. Ist doch Titte, ob man Sätze bis zur Unlesbarkeit verbasteln oder gute Liebe machen  oder Sprachbilder ersinnen kann, die zwar nicht verbraucht aber so kryptisch sind, dass selbst der Erfinder nicht so recht weiß, was er eigentlich damit ausdrücken will… demnach hat jeder m.E. ein Anrecht darauf zu lamentieren – mir ist, als bilden wir uns schrecklich viel auf uns ein, doch glaube ich, dass das nicht in erster Linie (zumindest nicht immer) aus Selbstüberschätzung resultiert , sondern eher in dem Wunsch, etwas zu bedeuten, begründet liegt. Ich weiß, dass ich noch etliche Male solcher Selbsthass-Perioden ausgesetzt sein werde. Gott sei Dank aber bleibe ich allein bei dem Gedanken, mir etwas anzutun. Ich kann nicht in die Köpfe anderer gucken, mir aber zumindest vorstellen, dass es einige gibt, die hin und wieder mal derart wütend auf sich selbst oder Mitmenschen sind, dass Dinge in ihrer Fantasie ablaufen, die niemals nach außen getragen werden sollten. Na ja, ich hoffe, meine Lage bessert sich alsbald… momentan ist leider ziemlich der Wurm drin.

Die vorletzte (oder war es letzte?) Woche bekam ich einen dicken Briefumschlag vom Deutschen Taschenbuchverlag (kurz DTV). In Anbetracht der Tatsache, dass sämtliche großen Verlage auf ihrer Seite akzentuieren, keine Textproben zurückzuschicken, sondern ordnungsgemäß zu vernichten, sofern kein Porto beigefügt wurde, dachte ich, da ich diesen fetten Umschlag in der Hand hielt, es könne doch etwas Gutes bedeuten – mein Vater hatte mich zuvor mit den Worten Post vom Deutschen Taschenbuchverlag! geweckt. Hektisch riss ich das Papier auf und erkannte sogleich meine Textprobe darin wieder. Als Unbeteiligter weiß man natürlich sofort, was das zu bedeuten hat, und offengestanden wusste ich es insgeheim natürlich auch. Doch wenn man eine Sache unbedingt will, hegt man Hoffnungen, die der Größe der eigenen Sehnsucht entsprechen. Das heißt also, je größer die Begierde ist, desto größer ist die Hoffnung. Ich will unbedingt und hatte demnach so große Hoffnungen, dass ich noch imstande war- obwohl ich meine Textprobe samt Einschreiben etc. im Umschlag vorfand -, auf eine positive Nachricht zu hoffen. Ich brauchte es schwarz auf weiß. Bekam ich auch. Das Absageschreiben vom S.Fischer-Verlag im März war schöner geschrieben.

Zwei, drei Tage später packte ich im Kaufland leidenschaftslos meine Palette (seit Juni Pauschalkraft), als plötzlich eine Durchsage ertönte, die mich dazu aufrief, mich ins Büro zu begeben. Da ich noch nie im Büro war und nicht wusste, wo es lag, ignorierte ich es zunächst und packte weiter mit dem Gedanken, dass man mich, falls es denn wichtig sei, noch einmal dazu aufrufen werde. Fünf Minuten später verlangte man erneut durch die Lautsprecher nach mir. Ich musste mich dazu erniedrigen, einen Kollegen zu fragen, wo denn das Büro sei. Schließlich ging ich dorthin und wurde von meinem Chef empfangen, der  mit meinem Arbeitsvertrag in der Hand vor mir saß und mich fragte, was ich denn beruflich täte. Na ja, er kam schnell zur Sache, sagte, die Mitarbeiterbeurteilungen stehen an, man habe in den drei Monaten meiner Probezeit den Eindruck gewonnen, dass ich mich nicht verbessern könne, es sage ja nichts über mich als Menschen aus (ach, dieser knochige Charmeur!), er finde mich sympathisch (ach, jetzt hören Sie aber auf, ich werde gleich rot wie mein hässlicher Kauflandkittel!), es sei nicht mein Ding… entgegen meiner Erwartungen und Leistung (ich hatte an einem Tag wenig geschafft, ansonsten ebensoviel gepackt wie der Durchschnitt auch) hat man meinen Vertrag nicht verlängert… da ich gleichwohl jeden Cent brauche, lasse ich doch tatsächlich die Demütigung über mich ergehen, noch bis Ende des Monats zu arbeiten…  Na und, könnte man jetzt sagen, dann suchst du dir halt ’nen neuen Job. Unglücklicherweise war Kaufland die einzige Anlaufstelle in unserer Provinz… schon wieder bin ich von einem Umzug meilenweit entfernt… tut mir Leid, aber das ist wirklich zum Kotzen. Andererseits bleibt mir zumindest der Trost, mich nicht mehr durch diese Arbeit quälen zu müssen…

Zum Trost bestellte ich mir meine langersehnte Spiegelreflexkamera (Nikon D5000) bei OTTO. Bereits bei der Bestellung verlief einiges nicht reibungslos. Es war meine erste Bestellung bei OTTO, das heißt also, ich hatte noch kein Kundenkonto. Zunächst bekam ich die übliche Bestallbestätigungs-Email. Etwa, ohne zu übertreiben, zwei Minuten später ruft mich eine Mitarbeiterin von OTTO an,  um mir mitzuteilen, dass bei meinem Artikel eine Anzahlung von 110 Euro vonnöten sei, ehe sie ihn verschicken können. Als ich das hörte, hätte ich bereits am liebsten meine Bestellung zurückgezogen. Dennoch ließ ich mir die Bankverbindung durchgeben (die mir die werte Kollegen falsch angesagt hatte). Als Verwendungszweck sollte ich meine Kundennummer angeben. Da wurde mir mulmig, hatte ich doch das erste Mal, wie bereits erwähnt, bestellt. Ich öffne meine E-mail und erblicke nur das:

Kunden-Nummer:

Lustig. Sodann rief ich beim Kundenservice an, um zu erfahren, warum verdammte Scheiße hinter dem Doppelpunkt nichts steht und wie meine abgefuckte Kundenummer nun laute. Mir wurde eine angesagt, doch zweifelte ich mittlerweile selbst an der Richtigkeit dieser Information. Danach googelte ich die Bankdverbindung sicherheitshalber nochmal, konstatierte, dass mir die Kollegin sie nicht richtig angesagt hatte, und ging danach zur Bank (an ’nem Samstag) und überwies die beschissene Anzahlung, um meine Kamera so schnell wir möglich in den Händen halten zu können. Heute dann das:

Guten Tag, liebe Frau XXXXXXXX,

es tut uns wirklich leid, dass wir Ihren Wunschartikel nicht sofort liefern konnten und Sie bereits gewartet haben. Und nun haben wir immer noch keine gute Nachricht für Sie:  Leider können wir den angekündigten Liefertermin nicht einhalten. Bitte entschuldigen Sie. Die unten angehängte Tabelle zeigt Ihnen, welchen Artikel es betrifft.

Na, schönen Dank auch! Hätte ich das gewusst, hätte ich bei Amazon bestellt und lieber noch zwanzig Euro mehr bezahlt. Doch das war immer noch nicht alles. In der erwähnten Tabelle stand unter der Spalte Artikel die Artikelnummer der Nikon D5000, darunter allerdings ein anderer Artikelname (DSLR Set Canon). So rufe ich gestern Abend um 22 Uhr an und geriet zunächst an einen Mitarbeiter, der mit meinem Problem offenkundig völlig überfordert war und mich zu einer Kollegin mit bayrischem Akzent weiterleitete. Sie verlas meine Bestellung, alles war chic und auf Wiedersehen. Wann ich meine Kamera bekomme,wissen einstweilen nur die Götter. Eins ist gewiss: Ich werde sie nicht, wie geplant, in den nächsten zwei Wochen sondern Ende Oktober erhalten und darüber hinaus keine Nikon D500o sondern das DSLR Set von Canon empfangen; woraus folgt, dass ich letzteres zurückschicken kann und weitere drei bis vier Wochen verstreichen, bis ich die Kamera Mitte November endlich von unseren freundlichen Hermesboten geliefert bekomme…

Zum Abschluss meines langen Eintrags eine wunderbare Akkordeon-Interpretation der ungarischen Tänze Nr. 5

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