hermetisch abgeriegelte Viertel

von romantischverklaert

Momentan fühle ich nur noch Hass. Ich hasse meinen engsten Freund, der mir sagte, er habe den Eindruck, ich hatte erzählenswerte Gedanken, welche die Worte aber eher verbergen, statt verdeutlichen; ich hasse das Weib, das äußerte, es gebe wenig, das mich begeistere und es sei nicht einfach, meinen Ansprüchen zu genügen; aber in Wirklichkeit hasse ich mich. Schon wieder. Ich will mir mit einem Messer die Arme zerstechen und meinen Leib aufschneiden; ich will unermessliche Schmerzen fühlen; Ich will meinen Kopf gegen die Wand schlagen;  ich will mir mit einer Säge die Hände abtrennen; ich will mit einem Bohrer meine Kniescheibe durchbohren; ich will mich Pfahlhängen lassen. Realistisch betrachtet ist es eine Schnapsidee, nicht das Abitur zu machen und nicht BWL zu studieren – das ist leider nicht von mir, sondern von jemandem, der es versteht, seine Gedanken zu artikulieren. Denn letztlich stößt man mit dem Kopf nur gegen die Wand, wenn man, wie Goethe sagte, ins Unbedingte strebt in dieser durchaus bedingten Welt. Ich hasse die Kunst, weil ich mich nicht ausdrücken kann. Ich hasse es, nicht gut zu schreiben. Ich hasse sicherlich auch das Schreiben im Allgemeinen, bin mir da allerdings nicht zu hundert Prozent sicher. Aber vor allem hasse ich meine Unzulänglichkeiten, die mir alle Türen versperren, hinter denen ich die größten Verheißungen vermute. Ich giere nach Selbstzerstörung. Wenn ich nicht groß werde, dann will ich nach einem langen Selbstvernichtungsprozess zu einem haufen Staub zerfallen. Selbstmitleidige Jammerlappen wie ich, die in ihrem Lamento stagnieren, sollten ghettoisiert und von der lebenstüchtigen Zivilisation eingezäunt werden. Schrecklich, wie wir andere mit unserem Rumgeheule vollkotzen und der Welt den schwarzen Peter zuschieben. Die Welt kann nämlich herzlich wenig für unsere allumfassende Insuffizienz. Wir wollen groß werden, obwohl wir wissen, dass man groß ist, wenn man hinnimmt, das man eigentlich nichts ist und nichts auf dieser Welt, die per se sinnleer ist, etwas daran ändern wird, am allerwenigsten die Bestätigung anderer. Wir wissen, haben aber nicht begriffen, dass man gleichgültig sein sollte in Anbetracht der Tatsache, dass Werte nicht wirklich sind, sondern nur Konstrukte. Ich hasse abrupte Rückschritte. Ich hasse einfach.

Wahrscheinlich verflüchtigt sich dieser Hass  in einer Woche schon wieder, wenn ich extreme Höhenflüge bekomme und meine Schreibe für so gut befinde, dass ich zum törichten Glauben gelange, sie werde mir große Perspektiven eröffnen. Natürlich wird das passieren, ebenso wie im Anschluss daran der erneute Absturz in den Hass garantiert ist.

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