Blut ist im Schuck

von romantischverklaert

Es gibt Lieder, die vor allem dann dem Ohr schmeicheln, wenn man sich eine großartige visuelle Umsetzung von ihnen zu Gemüte führt.

For Example:

Mir fällt auf Anhieb kein Video ein, das ich – ich ringe verzweifelt nach Worten – fantastischer finde. Ich werde nicht müde, mir dieses visuelle Prunkstück anzusehen…- ziehe es trotz allem nicht in Betracht, mir den Song als Mp3 zu beschaffen. Dabei wäre es ein leichtes, man müsste  lediglich auf Tubeminator gehen, die URL in die große blaue Zeile einfügen, auf Start klicken, warten, bis das Lied konvertiert wird und voilà, da hat man es! Nichts leichter als das – Tubeminator dient nur als Beispiel, selbstverständlich gibt es etliche andere Seiten und Programme, die es einem ermöglichen, Mp3 und Videos zu downloaden wie z.B. Tubebox. Warum nicht? Weil es der Clip ist, der den großen Akzent setzt. Gewiss, ich finde das Lied, für sich betrachtet, nicht schlecht; regelrecht geflashed fühle ich mich allerdings erst angesichts der wundersame Visualisierung. Man sieht, wie gut es den Machern – was ein scheiß unbeholfenes Wort – gelungen ist, die Musik zu erfassen, zu begreifen und zu verinnerlichen. Wäre es anders, wäre ein derartiges Video, das quasi deckungsgleich zur Musik ist, nie entstanden.  Wer war wohl Schöpfer dieses Werks? Dagegen stinken meine läppischen Kreationen erbärmlich ab!

Ich knappere noch immer an Sades Justine. Gestern und heute zwang ich mich, obwohl ich arbeiten war,  jeweils fünfzig Seiten zu lesen. Nach dem ersten Kapitel war ich zunächst überschwänglich, zog es sogar in Erwähnung, ihn in die Liga meiner Lieblingsautoren zu befördern.  Die Ernüchterung kam allerdings spätestens nach den ersten dreißig Seiten des zweiten Kapitels. Von da an erwartet den Leser absolut nix mehr. Alle klugen Betrachtungen und Leitgedanken, die sich im ersten Kapitel einer spitzfindigen Ausführung erfreuten, werden bis zum Einschlafen wiedergekäut, und ellenlange, allzu minutiöse Schilderungen von Mord, sexuellen Abarten, Erniedrigungen, Gewalttaten und dergleichen bestimmen fortan das Buch über fünfhundert Seiten lang, die zu lesen allerdings soviel Mühe abverlangt wie das eines Buches, in dem auf dreitausend Seiten nur ein einziges Wort fünfhunderttausend Mal wiederholt wird. Nun ja, dank meiner Willenskraft stehen mir nur noch siebenundsechzig Seiten bevor, die ich morgen mit einem Mal durchackern möchte. Neulich las ich bei Amazon User-Rezensionen zum Roman Juliette. Eine Kritik fand ich besonders treffend: Darin verwendete der Rezensent das Wort geistlos. Ja, das ist es tatsächlich, nichts weiter sind diese ekelhaften, monotonen Schilderungen. Sadismus könnte, neben seiner Bedeutung für die wollüstige Gewalt an anderen, als Inbegriff für Monotonie herhalten. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, das man um dreihundert Seiten kürzen könnte, ohne dass sich in der Handlung bemerkbar machte. Juliette soll sogar noch schlimmer sein und zwar insofern als es quasi noch weniger Handlung hat als Justine. Da frage ich mich, wie das gehen soll, hat Justine doch bereits fast gar keine Handlung. Es ist völlig unnötig, sich mehr als ein Buch von Sade anzutun. Dagegen sind selbst Pornos ein Feuerwerk der Überraschung und Abwechslung. Wer Justine gelesen hat, kann auch behaupten, Juliette und die 120 Tage von Sodom gelesen zu haben.

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