Aus dem Mutterleib

von romantischverklaert

… kam ich bereits vor einigen Jahren. Dieser Artikel hingegen wird jetzt, in diesem Moment, geboren… na ja, genauer genommen steht die Geburt erst in einigen Minuten an, da der Beitrag, mein erstes Blogkind, ja noch davor ist, veröffentlicht zu werden. Und noch genauer genommen kann hier nicht von meinem ersten Blogkind die Rede sein; Seinerzeit, sowie jetzt, war/bin ich als Blogger tätig. Mein erstes habe ich allerdings – Gott sei dank!- gelöscht. Das taugte nicht viel, sowohl Inhalt als auch Rechtschreibung, Ausdruck, Kommasetzung und Grammatik waren eine kleine – wir wollen nachsichtig sein- Katastrophe. Rückblickend zucke ich vor Scham zusammen, wenn mir die Beiträge in einem stillen Moment gegenwärtig werden. Es ist eine dieser unangenehmen Erinnerung, die einen derart peinlich berühren, dass man in Grund und Boden versinken und die Vorstellung gleich verdrängen möchte. Das zweite, das ich 2008 ins Leben rief, ist möglicherweise kein Blog im klassischen Sinne, sondern eine Sammlung schriftstellerischer Erzeugnisse, teilweise experimenteller Natur. Übrigens deswegen kein Blog im klassischen Sinne, weil ein Blog allgemein als eine Art öffentliches Tagebuch verstanden wird, dazu aber später vielleicht mehr. Nun, auch bei meinem Schriftsteller- oder meinetwegen auch Schreibkunstblog sind viele Artikel vorzufinden, die ich damals zwar unheimlich gescheit und außerordentlich famos fand, mir später bzw. jetzt allerdings ziemlich peinlich sind – wenn ich so darüber nachdenke. Wenn ich da allein an meine ersten Gedichte denke, würde ich mir am liebsten ein tiefes Loch schaufeln, reinspringen, mich zubuddeln lassen und solange unter der Erdoberfläche weilen, bis ich vergammele. So geht es mir übrigens auch mit vielen E-mails, die ich an Leute geschrieben habe, die ich beeindrucken wollte. Da sülzte ich die mit meinen pubertären, küchenphilosophischen Reflexionen zu, in der Überzeugung, ebenbürtig zu sein und mit meinen bahnbrechenden Gedanken zu landen – umso größer die Verwunderung und Enttäuschung, dass darauf wenig bis nichts kam, thahaha. Und auch das ist eines der vielen Dinge, die mich heute, wenn ich zurückblicke, mit schier unerträglicher Scham erfüllen. Am schlimmsten ist ja, dass ich aufgrund meiner furchtbaren Selbstüberzeugung Leseproben meines völlig teeniehaften Romans verteilte, der nicht nur vor falsch angewendeten und gestelzten Wendungen und Worten strotzte – die Rechtschreib-und Kommafehler will ich gar nicht erst erwähnen, obschon ich das mit diesem Einschub bereits tue -, sondern auch mit schrecklich nonkonformistisch erwzungenen Figuren den Leser amüsierte oder in Verlegenheit brachte und den Autor, also mich, im Nachhinein beschämte. Mir ist, als hätte ich mich zutiefst blamiert, es fühlt sich wie eine selbstverschuldete Demütigung an, wobei es möglicherweise gar nicht so kränkend aufgenommen wurde, wie ich denke.

Im Schreibkunst-Blog gibt es nicht viel, das sich zu lesen lohnt – gleichwohl hat sich zumindest meine Rechtschreibung und Kommasetzung mittlerweile deutlich verbessert, allein mit der Grammatik hapert es noch. Aber immerhin bin ich so blickig, die vielen Makel im Vorfeld zu akzentuieren und dass es nicht respräsentativ für mein eigentliches Können sondern überwiegend halbherzig verfasste, experimentelle Spielerchen seien, ehe ich den Link einem bereitwilligen Textüberflieger gebe. Ach ja, übrigens gibt’s da auch noch mein Kunstblog, – erstmal schön Werbung machen für Sachen, die wirklich noch einer aufwendigen Überarbeitung bedürfen und überdies keine nennenswerte Qualität innehaben, thahaha- wo einige , wie der Name vielleicht erahnen lässt, Zeichnungen und Malereien ausgestellt sind. Doch das ist mir eigentlich nicht so wichtig, weil mein Herz für die Auseinandersetzung mit Literatur – das impliziert sowohl lesen als schreiben –  schlägt, mal ganz schwülstig jedoch aufrichtig ausgedrückt. Anders als bei meinen bereits bestehenden Blogs, die als Repräsentationsplattform meiner künstlerischen Ergüsse fungieren, besteht dieses, um meine überschüssigen Gedankenfragmente öffentlich zu verwerten -was dann wohl gleichsam eine Blogqualität im eigentlichen Sinne hat.

Mir fällt gerade auf, dass ich viel über Scham und dergleichen geschrieben habe. Neulich, es war Dienstag, ging ich mit einer Frage zu einer ambulanten Gruppe, die eine  zweiwöchige stattfindende und eineinhalb Stunden dauernde Veranstaltung vom Chefarzt einer psychosomatischen Klinik ist. Bei dieser Gruppe sind Psychologen, der Chefarzt, so wie ehemalige wie aktuelle Patienten der Psychosomatik anwesend. Der Chefarzt beziehungsweise der Prof. Dr. Dr. – man kann ihn als eine Modifikation eines weisen, alleswissenden Häuptlings betrachten- , fragt die Anwesenden, ob sie eine Frage hätten, oder ein Thema – sei es philosophischer, psychologischer, soziologischer oder sonstiger Belange. Und darüber wird dann eineinhalb Stunden debattiert oder auch diskutiert. Die erste dreiviertel Stunde gilt den ehemaligen/aktuellen Patienten und Psychologen, die ihre Gedanken äußern, andere hinterfragen und sich austauschen. In der zweiten Hälfte hat der Prof. Dr. Dr. das Wort, ihn zu unterbrechen schickt sich nicht, er hält einen langen Monolog, in dem er vorwiegend wiedergibt, was andere, seien es Psychoanalytiker, Literaten oder Philosophen, zum jeweiligen Thema gedacht haben. Man mag es vielleicht nicht glauben aber es ist wirklich bereichernd oder meistenfalls zumindest anregend…. unglücklicherweise war der weise Häuptling diesen Dienstag nicht anwesend, eine Psychologin sprang für ihn stellvertretend ein – wenn er übrigens nicht da ist, geht das Gespräch anderthalb Stunden. Ich stellte dennoch meine Frage: Was ist Verlegenheit, woraus besteht sie? Vor allem interessierte mich, welche Affekte, Emotionen oder was auch immer dahinter stehen. Bislang wusste ich mir darauf keine Antwort. Ich mutmaßte nur, dass eventuell Angst in irgendeiner, wenngleich latenten, Weise eine Rolle spielt; Diese Spekulation äußerte ich in der Gruppe allerdings nicht. Ich will jetzt nicht sämtliche Gedanken zum Thema wiederkäuen, dazu fehlt mir zum einen die Lust und zum anderen die Zeit. Doch tatsächlich kam eine andere Psychologin darauf zu sprechen, dass zumindest symptomatische Gemeinsamkeit zwischen Verlegenheit und Angst bestehen. Fluchtgedanke -> Der Drang der Situation zu entfliehen. Möglicherweise erhöhter Puls, Schwindel, Zittern und so weiter… Gibt’s da also doch einen Zusammenhang? Darauf bekam ich keine konkrete Antwort aber… hach, ich hab‘ das jetzt so schrecklich abgekürzt, es gibt noch so viele Dinge, die einer Erwähnung wert wären… aber jetzt ist genug…

… ich will das Kind endlich gebären, es ansehen und danach erschöpft in den Schlaf sinken

Advertisements